Schloss Cecilienhof
Foto: rbb

BerlinJahrzehntelang war Schloss Cecilienhof vor allem als Ort der Potsdamer Konferenz von 1945 bekannt. Im vergangenen Jahr aber kam das jüngste Schloss der Hohenzollern in die Schlagzeilen, als darüber berichtet wurde, dass die Nachkommen der früheren preußischen Herrscherfamilie unter anderem ein Wohnrecht in Cecilienhof einforderten. Die Empörung war groß, die Linke startete in Brandenburg sogar eine Volksinitiative „Keine Geschenke den Hohenzollern“. Die Nachfahren wiederum wehrten sich gegen die Berichte. Viele Journalisten und Historiker bekamen Post von ihren Anwälten.

Die ARD-Doku aus der Reihe „Geheimnisvolle Orte“ erwähnt diese aktuellen Auseinandersetzungen mit keinem Wort. Debattenstücke zum Restitutionsstreit habe der RBB bereits mehrfach ausgestrahlt, erklärt der Sender auf Nachfrage. Vertreter des Hauses Hohenzollern wurden nicht befragt – sie seien schon für andere Filmprojekte nicht mehr vor die Kamera gekommen. Vor einigen Jahren war das noch ganz anders: 2011 übertrug der RBB stundenlang den Hochzeitszug von Preußen-Prinz Georg Friedrich und seiner Prinzessin Sophie von Isenburg durch die Potsdamer Innenstadt. Doch die Zeiten des Hofierens sind beim Sender vorbei.

Dafür befragt Autor Christian Klemke im Zusammenspiel mit zahlreichen Experten die wechselvolle Geschichte von Cecilienhof, zeigt sowohl die architektonischen Details dieser Anlage im englischen Landhausstil als auch die historischen Hintergründe. Denn das jüngste Schloss der Hohenzollern wurde erst 1917 als Wohnsitz des damaligen Kronprinzen Wilhelm und dessen Gattin Cecilie fertiggestellt. Besonderheiten wie das „Kajütenzimmer“ sind bis heute erhalten. Ein Jahr später, bei Kriegsende, flüchteten Kaiser und Kronprinz ins Ausland. Das Thema Enteignung wurde schon in der Weimarer Republik heftig diskutiert, sogar mit Volksentscheiden. Doch die Hohenzollern durften ihr zunächst beschlagnahmtes Schloss behalten.

Mit der Wahl von Stephan Malinowski als zentralem Experten des Films gibt Klemke ein klares Zeichen ab. Denn Malinowski ist jener Historiker, der im Auftrag des Landes Brandenburg untersucht hat, wie stark der Hausherr Kronprinz Wilhelm das Nazi-Regime unterstützt hatte – auch der Gutachter wurde wegen seiner Expertise von den Hohenzollern-Anwälten juristisch angegriffen. Sein eindeutiges Resümee, der Hohenzollern-Spross habe mit seinem Gesamtverhalten der NS-Diktatur „erheblichen Vorschub geleistet“, was zum Ausschluss von Entschädigungen führen würde, unterlegt er im Film mit vielen Zitaten und mit Bildern, die den einstigen Kronprinzen beim „Tag von Potsdam“ in Husarenuniform eng neben Hitler zeigen.

Wilhelm ließ seine Söhne im Cecilienhof in SA-Uniformen mit Hakenkreuz posieren, war mit Hermann Göring befreundet. Doch die Hoffnung, durch einen Pakt mit Hitler das Königtum zu erneuern wie etwa im faschistischen Italien, nennt Malinowski naiv und töricht und resümiert: „Die Frage ist nicht, was sie getan haben, sondern, was sie nicht getan haben.“ Denn statt das monarchistische Lager gegen Hitler zu führen, rief Kronprinz Wilhelm zu dessen Wahl auf und rühmte sich, er habe ihm zwei Millionen Stimmen verschafft. Hitler und Co. nutzten die Hohenzollern für ihre Ziele aus.

Wichtigstes Thema des ARD-Films aber bleibt die Potsdamer Konferenz im Sommer 1945. Hier werden die historischen Folgen für die Nachkriegsordnung ebenso umrissen wie einige Details. So sind die legendären weißen Korbsessel, in denen Stalin, Truman und Churchill fürs Foto saßen, verschwunden – sie werden derzeit nachgearbeitet. Der damals als Beet gepflanzte rote Sowjetstern im Hof ist bis heute ein markantes Zeichen von Cecilienhof. An die DDR-Zeiten als „Nationale Gedenkstätte“ erinnert die langjährige Leiterin Rosemarie Heise-Schirdewan, deren wichtigster Gast Michail Gorbatschow war. Der war bei seinem Triumphzug vom Volk in Potsdam gefeiert worden - fast wie ein König.

Geheimnisvolle Orte: Schloss Cecilienhof, Montag, 13. 7., um 23.50 Uhr in der ARD, und Dienstag, 14. 7., 20.15 Uhr im  RBB