RBB-Intendantin Patricia Schlesinger betrachtet das Sommer-Interview mit Andreas Kalbitz (AFD) als verpasste Chance.
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BerlinEs sieht aus wie ein Schlussstrich, ist aber nur der Auftakt zur zweiten Runde: Die Intendantin des RBB, Patricia Schlesinger, hat eine Programmbeschwerde von Hans-Peter Buschheuer, ehemaliger Vorsitzender des Journalistenverbandes Berlin-Brandenburg und einstiger Chefredakteur des Berliner Kurier, gegen das Sommerinterview ihres Senders mit Andreas Kalbitz abgelehnt. Der Rechtsextremist war zum Zeitpunkt des Gesprächs noch Vorsitzender der AfD-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Kritiker hatten moniert, dass in dem an einem lauschigen See geführten Interview Kalbitz’ rechtsextremes Weltbild kaum thematisiert wurde.

Die Intendantin macht sich in einem Schreiben an Buschheuer diese Kritik durchaus zu eigen. Es sei „nicht gelungen“, schreibt sie, „die zweifellos im RBB bestehende Expertise zu Rechtsextremismus und AfD im genügenden Maß in dieses Format einfließen zu lassen“. Das Interview sei „eine verpasste Chance“. Kalbitz’ „völkisch-nationalistischer“ Background sei „zu wenig in das Gespräch eingeflossen“.

Dennoch mag Schlesinger eine Verletzung von Programmgrundsätzen „nicht feststellen“, weshalb sie die Programmbeschwerde ablehnt. Damit ist die Angelegenheit aber nicht erledigt. Buschheuer kann wegen seiner Programmbeschwerde nun den Programmausschuss des Rundfunkrats anrufen. Das wird er auch tun.

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In den Redaktionen der beiden sachsen-anhaltischen Tageszeitungen des Hamburger Bauer-Verlags (Bravo, TV Movie) brennt offenbar die Luft. Eine vom Verlag für alle Standorte weltweit in Auftrag gegebene Mitarbeiterumfrage durch die Unternehmensberatung Korn Ferry fiel in den Redaktionen am Standort Magdeburg – dort bringt Bauer die Tageszeitung Volksstimme heraus – desaströs aus. Nur 60 Prozent der redaktionellen Mitarbeiter mochten sich an der Befragung beteiligen. Bei nahezu allen Fragestellungen liegt die Mitarbeiterzufriedenheit der Magdeburger Redakteure weit unter der der übrigen Beschäftigten des Konzerns.

Der Aussage, „Mein Unternehmen ist offen und ehrlich in der Kommunikation mit seinen Mitarbeitern“, stimmen 52 Prozent der Redakteure nicht zu. Nur 25 Prozent von ihnen würden das Medienhaus „als guten Arbeitgeber weiterempfehlen“. Laut Korn Ferry gab es 2017 und 2018 eine „hohe Fluktuation“ in den Redaktionen. „Nachbesetzungen“ seien „schwierig“. Dies habe „zeitweise bis dauerhaft zu höheren Arbeitsbelastungen“ geführt.

Mies ist die Stimmung auch bei Bauers Mitteldeutscher Zeitung in Halle, die aber nicht an der Befragung teilnahm, da das Blatt erst zum 1. April 2020 von den Hamburgern übernommen wurde. Dort fürchtet man, dass der neue Inhaber die Zeitung weitgehend mit der Volksstimme zusammenlegen könne. Beide Titel haben bereits eine gemeinsame Geschäftsführung. Offenbar wurden auch schon gemeinsame Beilagen produziert. In der Redaktion herrscht wegen den Fusionsgerüchten Angst vor einem Stellenabbau.

Man nehme das Ergebnis der Mitarbeiterumfrage „sehr ernst“, sagt eine Bauer-Sprecherin – „auch an unserem Standort in Magdeburg“. Die Häuser in Halle und Magdeburg wachsen „auf Augenhöhe zusammen“. Noch sei man dabei, sich ein „Bild der Strukturen und Prozesse beider Medienhäuser zu machen“.