Eins muss man dem RBB lassen: Die Kulisse war perfekt ausgewählt – sogar noch viel passender als es dem Sender lieb sein konnte. Denn die „Abendshow“ gastierte zur Premiere in einem Warteraum des „Hauptstadtflughafens“ Schönefeld.

Als „Schmerzzentrum“ Berlins bezeichnete Moderator Marco Seiffert den Ort, der ja wie kein zweiter die Berliner Mischung aus Größenwahn und Dilettantismus repräsentiert. Ausgerechnet hier ein „lässiges Metropolenmagazin mit ironisch-satirischen Untertönen“ zu starten, war eigentlich keine schlechte Idee.

Das wichtigste Reformprojekt

Die künftig an jedem Donnerstag laufende „Abendshow“ ist das bisher wichtigste Reformprojekt der Intendantin Patricia Schlesinger, die den RBB „mutiger, kantiger, auffälliger und relevanter“ machen will. Um Mittel für die „Abendshow“ und andere neue Formate zu gewinnen, wurde eine ganze Reihe von Sendungen Ende 2016 eingestellt, so das Politmagazin „Klartext“, für das es bis heute keinen Ersatz gibt.

Einige Neuerungen konnten durchaus überzeugen, etwa das im Juni gestartete Verbrauchermagazin „Super.Markt“ oder die Sendung „Erlebnis Geschichte“, die am Dienstag Premiere hatte.

Viele Ankündigungen

Anfangs versprach die Show mit der Kulisse BER zu spielen. Da wurde ein Band durchschnitten, als hätte der RBB den Flughafen erlöst. Doch immer mehr zeigte sich, dass die Livesendung auf verblüffende Weise dem Schauplatz ähnelte: viele großspurige Ankündigungen – doch kein Know-how, um die Aufgabe zu bewältigen.

Die „Abendshow“ sollte Talk, Spiel und Musik verbinden, sollte unterhaltsam wie informativ sein – und bot nichts von alledem. Die zähen Interviews, die Marco Seiffert mit dem Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup führte, hätten die Kollegen von der „Abendschau“ in wenigen Minuten durchgezogen, und zwar kompakter und konzentrierter.

Bruchlandung

Der Gast selbst musste den Moderator daran erinnern, dass die Sendung als Satire-Show annonciert worden war, worauf Seiffert zugab: „Na ja, ein bisschen.“ Doch von Satire, wie ihn Formate wie „Extra Drei“, die „heute show“ oder „neo royal“ bieten, war die „Abendshow“ viele Tausend Flugmeilen entfernt.

Daran änderte auch nicht das Spielchen, bei dem Lütke Daldrup den Eröffnungstermin mit einem Papierflieger bestimmen sollte und bezeichnenderweise neben der Piste landete, etwa auf Höhe des Jahrs 2020.

Völlig überdreht

Manche Themen, etwa der Umgang mit den Drogen, wurden so konventionell angegangen, dass sich Satire von selbst verbot. Der eingeladene Drogenfahnder konnte einem nur leid tun. Das Thema hat der RBB in seinen Reportagen weitaus kompetenter behandelt. Zum Flughafen selbst sind in den letzen Jahren offenbar alle Gags gemacht wurden – sie wirkten verbraucht.

Die Versuche der Moderatorin Britta Steffenhagen, witzig zu sein, wirkten mitunter so krampfhaft, dass der Begriff Schmerzzentrum eine völlig neue Bedeutung bekam. So kommentierte sie das Vorhaben von Rot-Rot-Grün, in Tegel 9000 Wohnungen zu bauen, mit den Worten: „Äh? Wohnungen können doch gar nicht fliegen!“ 

Wie eine Warm-Upperin

Die Moderatorin, am Donnerstagabend in Hamburg mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet, agierte vor der Kamera wie eine überdrehte Warm-Upperin, schrie immer wieder so unmotiviert auf und verhielt sich so übergriffig gegenüber ihren Gästen, als wäre sie vom Drogenkurier Tarek aus dem Einspielfilm versorgt worden.

Nur wenige Elemente der „Abendshow“ beließen den Zuschauer schmerzfrei, etwa der Film über die Begegnung eines Krawatten-Dandys mit einem schwitzenden Maler oder der Retro-Beitrag über Stewardessen in den 1950ern. Der finale Auftritt der Beatsteaks, von Seiffert als eine der erfolgreichsten Bands der Welt angekündigt, passte zur Show: Sie agierten so minimalistisch, als wäre ihnen das Stück gerade erst eingefallen.

Maue Quote

Einen gravierenden Unterschied zum Katastrophenbauwerk BER hat die „Abendshow“ allerdings: Hier könnte noch mal komplett neu gebaut werden. Die geringe Resonanz auf die Premiere, die nur 5,1 Prozent der Zuschauer interessierte (die „Abendschau“ erreichte zuvor 22,4 Prozent) ist eine Chance.