Am Wochenende feierte Antenne Brandenburg seinen 25. Geburtstag. Grund zur Freude hat der RBB-Sender eigentlich zweimal im Jahr: Denn bei fast allen Media-Analysen der letzten Jahre belegt Antenne Brandenburg den Spitzenplatz in der Region Berlin-Brandenburg. Zuletzt wurden 215.000 Hörer in der Durchschnittsstunde an jedem Wochentag ermittelt, davon die allermeisten in Brandenburg. „Unaufdringlich, aber dennoch emotional“, nennt Programmchefin Petra Hansel die Ansprache an die Hörerschaft. „Bei uns wird keiner vorgeführt.“ Zu den Studios in Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus, die sich noch zu DDR-Zeiten zusammengeschlossen und vom Staatsrundfunk abgekoppelt hatten, kamen inzwischen Regionalbüros in Prenzlau und Perleberg.

Raffinierter Mix

Aber selbst unter den Hörern in Berlin, an die sich das Programm mit seinen regionalen Informationen gar nicht wendet, wird Antenne Brandenburg öfter eingeschaltet als etwa Radio Eins. Das liegt vor allem an der Musikfarbe, die vom Sender als „die schönste Musik für Brandenburg“ angepriesen wird, die aber raffinierter gemixt ist als es der Titel aussagt. Verantwortlich ist ein erfahrener Radio-Profi: Wolfgang Martin arbeitet schon seit 40 Jahren im Rundfunk, zunächst für Stimme der DDR und DT 64, seit 2003 ist er der Musikchef von Antenne.

Auffällig ist, dass sich die Macher dem lange Zeit gängigen Dogma des Formatradios erfolgreich entzogen haben. Dieses forderte eine erkennbare Musikfarbe – jeder einzelne Titel sollte gleich verraten, ob hier ein Oldie- oder ein Chartsender funkte. So positionierten sich auch die regionalen 1er-Sender der ARD, wie etwa MDR 1 Sachsen-Anhalt oder NDR 1 Radio MV, als Schlagersender – und mussten erleben, wie schwierig es war, eingefahrene Richtungen zu verlassen. Seit die beiden Sender den Schlager weitgehend aus ihrem Programm verbannten, müssen sie sich mit Protesten einer kleinen, aber energischen Hörerschar auseinandersetzen. Die Chefin des Landesfunkhauses von Radio MV, Elke Haferburg, musste ihren Anti-Schlager-Kurs kürzlich sogar im Schweriner Landtag verteidigen. Dabei ist klar: Schlagermusik trägt, trotz der Hits von Helene Fischer und Co, keinen Sender fürs breite Publikum mehr. So verweist Winfried Bettecken, Programmchef von Radio Sachsen-Anhalt, darauf, dass nicht genügend jüngere Schlagerfreunde nachwachsen, der Schlager aber stark polarisiere – viele schalten sofort um.

Während der Berliner Sender des RBB, Radio Berlin 88,8, solch einen Wechsel und die Proteste der Schlagerfreunde schon vor einigen Jahren durchgestanden hatte, fielen die Wendemanöver bei Antenne Brandenburg immer weniger scharf aus. Hier dominierte der Schlager noch nie – ist aber bis heute auch nicht komplett verschwunden. Auf etwa 15 Prozent schätzt Martin den Anteil der Schlager am Programm und verweist auf die schwierige Abgrenzung zwischen Schlager und Soft-Pop: „Selbst eine Inga Humpe hat ja nichts dagegen, ihre Titel Schlager zu nennen.“

Joe Cocker neben Helene Fischer

Antenne Brandenburg hat früher als andere Sender auf jüngere Singer-Songwriter wie Annett Louisan oder Johannes Oerding gesetzt, aber auch nie die Hits aus DDR-Zeiten vergessen. Ob liedhafte Rockballaden von Karat oder Songs von Veronika Fischer – bei Antenne Brandenburg blieben sie im Programm. Statt auf ein stures Format setzt Wolfgang Martin auf sorgfältige Auswahl: „Jeder Titel wird von uns einzeln beurteilt und danach gefragt: Wo passt er am besten hin?“ Der Musikchef schwört auf die Dreier-Kopplung: Da könne durchaus Joe Cocker neben Helene Fischer und einem aktuellen Chartstitel stehen – aber immer so, dass der Schlagerfan gerade noch auf seine Kosten kommt und der Schlagerhasser nicht gleich umschaltet. Der 62-jährige Martin, der mit den Doors, den Stones und Prog-Rock groß geworden ist, kann sich durchaus vorstellen, die Grenzen noch weiter zu fassen: „Wenn ich mir das neue Tocotronic-Album so anhöre, muss ich sagen: Die passen mittlerweile ganz gut zu uns.“