„Im 19. Jahrhundert scheinen Amerikaner selten auf so katastrophale Art in die Irre gegangen zu sein wie die Menschen, die heute von Rettungsmannschaften verirrt oder tot geborgen wurden.“ Das berichtet Rebecca Solnit nach Gesprächen mit einer Bergretterin in den Rocky Mountains. Wir lesen, wie sehr Erwachsene es verlernt haben, sich ohne Technik zu orientieren und Ruhe zu bewahren, während verirrte Kinder sich oft weniger panisch und erheblich vernünftiger verhalten. In dem Text geht es darum, wie Menschen es erleben, „einen Tag oder auch eine Woche vom Weg abzukommen“, wie sie Ungewissheit und Unbekanntes ertragen und ihm womöglich etwas Positives abgewinnen.

Rebecca Solnit ist eine der wichtigsten Essayistinnen der USA, wir verdanken ihr den schönen Begriff „Mansplaining“, den sie in „Wenn Männer die Welt erklären“ prägte. Sie schreibt über Geschlechterverhältnisse, Menschenrechte, Umweltschutz, Trumps Amerika, aber auch über Wandern, Landschaften, Kunst- und Kulturgeschichte. Einige ihrer um die 20 Bücher liegen auf Deutsch vor, etwa „Unziemliches Verhalten“ über sie selbst als junge Frau im San Francisco der ungeniert sexistischen 80er-Jahre. Die Bergretterin treffen wir in „Die Kunst, sich zu verlieren. Ein Wegweiser“, das im November erschien. In diesem Buch denkt sie darüber nach, was passiert, wenn sich die Grenzen des Gewohnten und Vertrauten, die immer auch unsere Identität sichern, auflösen.

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