Nach den turbulenten Auseinandersetzungen auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst scheint nun die halbe Branche darauf zu warten, wie in Leipzig mit den Herausforderungen von Rechts umgegangen wird. Die friedlichen Proteste vor dem Gewandhaus am Mittwochabend waren ein erstes gutes Zeichen. Das zweite folgte am Donnerstagvormittag. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte zu einer Diskussion eingeladen unter dem Titel „Wie politisch ist der Buchhandel?“

Er wird immer politischer, könnte das kurze Fazit der Veranstaltung lauten. Deren drei Teilnehmer Susanne Dagen (Dresden), Manfred Keiper (Rostock) und Michael Lemling (München) sollten erzählen, wie sie zwischen ihren eigenen Standpunkten und den Positionen ihrer Käufer agieren, sollten erklären, ob sie jegliche Literatur in ihre Läden holten.

„Wir können keine Gesinnungsprüfung durchführen“, sagte Lemling, aber dass er in seiner Buchhandlung in Schwabing 500 Exemplare von Thilo Sarrazins 2010 erschienenem Buch „Deutschland schafft sich ab“ verkauft hatte, obwohl es dieses Buch bei ihm nicht im Schaufenster und auch im Ladeninneren nicht prominent platziert gab, hätte er nie erwartet. Und das Buch aus Protest gegen dessen Tendenz nicht zu verkaufen, wäre wirtschaftlich für ihn als Buchhändler schwer zu verantworten gewesen.

Kunden werden politischer

Die Kunden seien politischer geworden, sagte Susanne Dagen, so viele Veranstaltungen wie jetzt hätte sie früher nie angeboten. Dagens Buchhandlung steht hinter der Diskussion zwischen Durs Grünbein und Uwe Tellkamp im Dresdener Kulturpalast in der vergangenen Woche. Als sie sagte, da seien ein „Gesinnungsethiker“, nämlich Grünbein, und ein „Verantwortungsethiker“, nämlich Tellkamp, unversöhnlich aufeinander getroffen, war nur ein leichtes Gemurmel im Publikum zu hören.

Ihr Buchhändlerkollege Lemling reagierte zeitversetzt, aber scharf: „Sie sind die erste rechte Buchhändlerin, die wir jetzt kennenlernen.“ Dass sie jedoch sagte: „Gehen Sie in die Debatte, Sie werden gebraucht, als Leser und als Multiplikatoren“, kann man ihr nicht vorwerfen. Zumal auch der Rostocker Buchhändler Manfred Keiper berichtete, dass er mehr Publikumsgespräche denn je anbiete, weil die Kunden in der Buchhandlung Antworten suchten.

Rechte Verlage nicht ausschließen

Organisiert wurde diese Veranstaltung von der IG Meinungsfreiheit beim Börsenverein. Gegründet hatte sich die Gruppe von Verlegern und Buchhändlern im Sommer vergangenen Jahres, sie steht hinter dem Slogan „Für das Wort und die Freiheit“, den es auch als Aufkleber und auf Taschen gibt. Ähnlich wie das Pen-Zentrum für Schriftsteller und die Vereinigung Reporter ohne Grenzen für Journalisten will sich die IG Meinungsfreiheit für verfolgte Verleger und Buchhändler einsetzen.

Aber die Freiheit der Meinungen sollte man auf nationaler Ebene auch nicht unterschätzen, so der Verleger Christoph Links am Rande der Veranstaltung. Dazu gehöre, dass man seine Standpunkte zivilisiert austrage. Die Forderung, rechte Verlage von der Messe auszuschließen, nütze jenen Verlagen eher, als dass der Messe damit geholfen wäre. Sein Verlag präsentiert zum Beispiel Andreas Speits analytisches Buch „Reichsbürger. Die unterschätzte Gefahr“ auf mehreren Foren in Leipzig. Im Internet hätten sich bereits Proteste angekündigt. „Ich hoffe, dass es friedlich bleibt“, sagt Links.