Die Welt gerät aus den Fugen. Populisten übernehmen die Macht. Sie sammeln die Enttäuschten wieder ein, die Wutbürger, die Habenichtse, die Fremdenfeinde, die Politikverdrossenen, kurzum die Globalisierungs- und Modernisierungsverlierer. So erklären wir uns jedenfalls den Erfolg der großen Vereinfacher. Und setzen dann die immer gleiche Erklärung dagegen: Populisten sind mehr oder minder geschickte Lügner; sie sind keineswegs nur Vereinfacher, sondern auch Betrüger, weil sie wider besseres Wissen den Menschen versprechen, was sie unmöglich halten können, weil sie Wahrheit und Wirklichkeit so lange drehen und dehnen, bis den Menschen angst und bange wird, weil sie Missgunst säen und Unsicherheit schüren – und sich den Menschen dann als Gewährsleute einer zu Schanden gekommenen Größe und Herrlichkeit empfehlen.

In dieser Perspektive erscheint der Populismus als politische Bauernfängerei. Und die Menschen gehen ihr en masse auf den Leim, lassen sich verführen von einfachen Erklärungen und Lösungen für Probleme, die sie eigentlich gar nicht haben. Zuletzt war in Großbritannien zu verfolgen, wie gut das läuft: Als hätten sich die Brexit-Wortführer, Nigel Farage und Boris Johnson vorgenommen, den Populismus ein für alle Mal zu blamieren, logen sie erst das Blaue vom Himmel herunter, beschworen Glanz und Gloria Britanniens und stahlen sich dann aus der Verantwortung. Und mit einem Male schienen die Briten zu erwachen und fühlten sich betrogen, vor allem die Jüngeren, so hieß es jetzt, bangten um ihre Zukunft – für die sie sich allerdings bis dahin nur wenig interessiert hatten, waren doch viele von ihnen gar nicht erst zur Wahl gegangen.

Lügen schadet nicht

Von einer Blamage des Populismus kann indes nicht die Rede sein. Ihm schaden Lügen nicht. Donald Trump, der im US-amerikanischen Vorwahlkampf mit einer Armada aus Falschaussagen, Verleumdungen und Hetzereien dem Populismus eine vollkommen neue Dimension eröffnete, ist nun der Präsidentschaftskandidat seiner Partei. Die Lüge ist nicht wesentlich. Sie ist nur ein Mittel – so wie das Übertreiben und Verunglimpfen – zur Durchsetzung eines nationalistischen und autoritären Politikstils. Wesentlich ist vielmehr, dass sich Trumps „Make America Great Again!“ als chauvinistische Feier der eigenen Stärke in den Programmen aller rechtspopulistischen Parteien findet, so wie sie in den europäischen Nationalparlamenten vertreten sind und spätestens bei Regierungsbeteiligung die Meinungsfreiheit und Menschenrechte aufs Schärfste bekämpfen.

Demokratie und Populismus sind unvereinbar. Quasi-Diktatoren wie Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdogan ficht das nicht an. Sie haben ohnehin nicht mehr viel zu verlieren. Aber es könnte sein, dass sie im Verbund mit den anderen europäischen Rechtspopulisten die Nutznießer einer neueren Entwicklung sind, Trendsetter also, die sich früher als andere einen politischen Reim auf das allmähliche Verschwinden des demokratischen Ethos’ in den westlichen Gesellschaften gemacht haben: Demokratie ist nicht unbedingt notwendig, Hauptsache der Laden läuft. Diesen Schluss legt jedenfalls eine Untersuchung der amerikanischen Politikwissenschaftler Roberto Stefan Foa and Yascha Mounk nahe. Sie haben einen Wandel bei den Wertpräferenzen der Menschen in Nordamerika und Westeuropa beobachtet. „Demokratie abgekoppelt“, lautet ihr im Journal of Democracy veröffentlichter Befund.

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