Im März 1996 wurde der Hamburger Literaturwissenschaftler und Mäzen Jan Philipp Reemtsma entführt und erst nach 33 Tagen wieder freigelassen. Zwei Geldübergaben waren gescheitert, ehe die Entführer 15 Millionen DM und ca. 12,5 Millionen Schweizer Franken entgegennahmen und verschwanden. Es galt als eines der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte, über das Jan Philipp Reemtsma gut ein Jahr später ein intimes Protokoll seiner Gefangenschaft veröffentlichte. „Im Keller“ wurde nicht zuletzt auch als literarisches Ereignis rezipiert, Reemtsma war es auf bemerkenswerte Weise gelungen, für seine Beobachtungen, Gedanken und Ängste eine Sprache zu finden.

Johann Scheerer, Reemtsmas Sohn, war zum Zeitpunkt der Entführung 13 Jahre alt. Das jähe Ende seiner Kindheit hat er in dem 2018 erschienen Roman „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ (Piper-Verlag) beschrieben, das als Gegenstück zu „Im Keller“ gelesen werden kann. Angst und Beklemmung hatten sich nicht nur in Reemtsmas Verlies breitgemacht, sondern auch das Familienleben erfasst. Und sie klangen nach der Rückkehr des Vaters nicht ab. In seinem zweiten Roman schildert Johann Scheerer nun die Geschichte eines Aufwachsens im Ausnahmezustand, „Unheimlich nah“ ist ein Bildungsroman über den langen Schatten einer Freiheitsberaubung.

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