Ab Sonntag jagen Andrea Henkel, Miriam Gössner, Arnd Peiffer und Co wieder mit ihren Gewehren auf dem Rücken durch den Winterwald und stehen anschließend vor den roten Mikrofonen des RBB. Seit 1997 ist der RBB (bzw. der Vorgänger ORB) innerhalb der ARD verantwortlich für die Biathlonübertragungen und kann sich so vor einem Millionenpublikum als Sportsender präsentieren.

Nun ist Biathlon keine Domäne Berliner Sportler, die einheimischen Athleten finden nur selten ein solch großes Fernsehpublikum, abgesehen von den Fußballern von Hertha, Union und Energie Cottbus, deren Spiele regelmäßig in der ARD-„Sportschau“ zu sehen sind. Die hauseigene RBB-Sportsendung, der im Sommer frisch gestylte „Sportplatz“, aber stößt am Sonntagabend auf nur geringes Interesse. Dabei werden hier nicht nur die Spiele aus Erster und Zweiter Bundesliga, sondern auch die Auftritte von populären Berliner Teams wie den Eisbären, den Füchsen und Alba nachbereitet. Doch die Einschaltquote liegt weit unter dem RBB-Schnitt und sank im November gar unter die Grenze von zwei Prozent.

Der MDR ist erfolgreich

Dagegen ziehen andere Dritte Programme der ARD mit regionalem Sport ein großes Publikum an. Der MDR etwa erzielt mit „Sport im Osten“ am Sonnabendnachmittag Marktanteile von 12 bis 15 Prozent, die Sendung gilt als erfolgreichstes Sportmagazin aller Dritten. Die Leipziger übertragen nicht nur Derbys der Dritten Fußball-Liga in voller Länge, sondern berichten auch von jedem Spiel der viertklassigen Nordost-Regionalliga, das mitteldeutsche Teams bestreiten. Selbst in Berlin begleitet der MDR diverse Spiele, fängt dabei besondere Momente ein, wie das Tor des Jenenser Spielers Tom Geißler, der den Torwart des Berliner AK aus dem Mittelkreis überlistete und für seinen Kunstschuss für das „Tor des Monats“ nominiert wurde. Dem RBB bleibt nur, die Bilder des MDR für die Nachrichten zu übernehmen.

„Wir haben kein solch homogenes Publikum wie der MDR, das immer noch ein gemeinsames Lebensgefühl verbindet“, erklärt Katrin Günther, beim RBB verantwortlich für Service und Sport. Hinzu kommt: Während Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen keinen aktuellen Erstligisten und nur zwei Zweitligisten haben und der MDR sich auf seine Traditionsteams aus Erfurt, Halle, Chemnitz, Leipzig oder Zwickau in den dritten und vierten Liga konzentrieren kann, hat Berlin-Brandenburg in diesen Ligen keine vergleichsweise populären Mannschaften. Selbst der Verein mit der größten Anhängerschaft, Babelsberg 03, zieht längst nicht so viele Fans an wie der 1. FC Magdeburg oder Carl Zeiss Jena. Auch anderswo ist Viertliga-Fußball kein Quotengarant. So erzielt der WDR, in dessen Sendegebiet sich zahlreiche Erst- und Zweitligisten tummeln, mit der Sendung „Sport im Westen“ nur magere Quoten. Dafür interessiert sich der Privatsender Sport1 neuerdings für die Regionalliga. Live-Übertragungen aus der vierten Liga bringen Quoten, die zum Teil über den Zahlen für den Spitzenhandball liegen.

Fußball im Fernsehen bleibt eine Liga für sich – auch beim RBB. Allein die Berichterstattung über den Männerfußball nahm im vergangenen Jahr hier 40 Prozent der gesamten Sportberichterstattung ein. Zusätzliche acht Prozent des RBB-Sports sind dem Frauen-Fußball gewidmet. Dem Team von Turbine Potsdam ist der Sender besonders verbunden, weil hier kein anderer Sender Rechte besitzt – meistens. Denn als die Potsdamerinnen neulich überraschend in der Champions League in Lyon gewannen, gab es im RBB am nächsten Tag nur einen ganz knappen Bericht in den Nachrichten. Der Gegner aus Lyon besaß die Rechte und hatte eine solch hohe Summe gefordert, dass Sportchefin Günther selbst der Betrag für eine Minute richtig weh tat.

Insgesamt nahmen die „Turbinen“ im Jahr 2012 so viel Sendeplatz ein wie die Eisbären, die Füchse und Alba zusammen. Hier sind die ARD und RBB Zweitverwerter von Rechten, können nur Kurzberichte und Interviews bringen – Fans von Handball, Eishockey oder Basketball aber haben sich oft schon bei Sport1, Servus TV oder im Netz informiert. Obwohl die Quoten im „Sportplatz“ meist fallen, wenn vom Fußball zu anderen Ballsportarten gewechselt wird, will Katrin Günther die Kurzberichte beibehalten, als „Bekenntnis zur Sportstadt Berlin“. Den Trend sieht Günther aber in Live-Übertragungen. So wird der RBB am 30. November das Finale der Weltmeisterschaft der lateinamerikanischen Tänze aus der Max-Schmeling-Halle zeigen.

Einige Vereine suchen andere Wege ins Fernsehen: So produzieren die Füchse Berlin gemeinsam mit dem Sender TV Berlin das Fanmagazin „Jagdfieber“. Manche Verbände bieten sogar kostenlos Aufnahmen an. Für den RBB kommt die Ausstrahlung fremdproduzierten Materials nicht infrage. Der „Fall Jürgen Emig“, der gesponserte Sportevents ins Programm des Hessischen Rundfunks hob und dabei selbst mitkassierte, bleibt Warnung genug.

Vorwürfe wie anderswo, wo Rundfunkräte die Dominanz des Fußballs beklagen, musste sich der RBB bislang nicht anhören. Im Jahr 2012 wurden über 60 verschiedene Sportarten gezeigt. Diese Vielfalt verdankt der Sender seinem rührigen Nachmittagsmagazin „Kurz vor Fünf“, das sich montags und freitags dem Freizeitsport widmet und dabei auch Sportarten wie Kanupolo oder Schachboxen porträtiert.

Mit Unterwasserkamera

Doch längst nicht jeder Berliner Leistungssportler hat eine Chance auf Fernsehbilder. In diese Lücke springen zunehmend Anbieter im Netz – in Berlin etwa das Portal „Hauptstadtsport.tv“. Das Anfang 2012 gestartete Portal zeigt mittlerweile wöchentlich ein neues Magazin und wird monatlich 30.000-mal abgerufen – viel mehr Zuschauer haben manche „Sportplatz“-Sendungen im RBB auch nicht. „Ich wollte so etwas schon immer machen“, erklärt der Initiator Heiko Klasen, ein erfahrener Sportjournalist. Als Dozent an der privaten Berliner Medienakademie sah er eine Chance, solch ein Projekt aufzubauen, ohne damit Geld verdienen zu müssen. In seinen Studenten findet er hochmotivierte Mitarbeiter, die Woche für Woche professionelle Beiträge liefern. Das Equipment stellt die Medienakademie.

Über die Bundesligaspiele des Berliner Hockey Clubs oder des Wasserball-Serienmeisters Spandau 04, beide mit Nationalspielern bestückt, berichten Klasens Jungreporter regelmäßig. Zum Wasserball bringen sie schon mal eine Unterwasserkamera mit. Auch Rugby, American Football und Faustball werden eingefangen. Für das Magazin werden dazu kleinere Vereine porträtiert und Trendsportarten im Selbstversuch getestet. Statt um teure Übertragungsrechte zu feilschen, setzt Heiko Klasen auf „Partnerschaften“ mit Verbänden, bekommt für die mediale Begleitung von Wettkämpfen wie „Jugend trainiert für Olympia“ Unterstützung. Nur der Fußball spielt bei „Hauptstadtsport.tv“ bislang keine Rolle.