Mütter pubertierender Mädchen haben es schwer. Wer wollte das bestreiten? 15-, 16-jährige Mädchen haben es allerdings mit ihren Müttern schwer, weil die glauben, sie noch erziehen zu müssen. Tatsächlich wird in diesem Alter auf beiden Seiten ständig um Grenzen und Regeln gerungen. Überall lauert der große Krach: wegen der Kleidung, Abwesenheitszeiten, Hausaufgaben, wegen Alkohol, Drogen oder Jungs.

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Lisa Azuelos hat darüber einen wunderbar leichten, witzigen und nachdenklichen Film gemacht. „LOL (Laughing Out Loud)“, benannt nach dem SMS- oder Chat-Kürzel für einen Lachanfall, war 2009 in Frankreich sehr erfolgreich und auch hierzulande beliebt – bei Mädchen von zwölf Jahren aufwärts und bei den Jungs, die sie verstehen möchten, bei Frauen, die auch mal Mädchen waren oder das Problem mit den Töchtern kennen. Sophie Marceau spielte hinreißend fahrig die erwachsene Hauptrolle, Christa Theret glaubte man jede Lach- und jede Wut-Träne als Tochter.

Dieselbe Regisseurin

Da amerikanische Zuschauer aber lieber eigene Helden auf der Leinwand sehen, wurde das Ganze noch mal verfilmt. Von derselben Regisseurin! Die Handlung hat sich nicht verändert, abgesehen davon, dass sie nicht Paris spielt, sondern in der schönsten Großstadt der USA, in Chicago.

Lola, genannt Lol, ist 16, fühlt sich sicher mit ihren besten Freundinnen, hat Stress mit ihrem Freund und ist dabei, sich in dessen besten Freund zu verlieben. Anne, ihre Mutter, trifft sich wieder mit ihrem Ex (also Lolas Vater), begegnet dann einem deutlich interessanteren Mann, einem Polizisten. Wer den französischen Film noch vorm inneren Auge hat, erlebt Déjà-vus am laufenden Band, so sehr gleichen sich die Dialoge und die Bilder, sogar die Musik.

Es geht um das Lebensgefühl der Fast-Erwachsenen in einer Zeit, da die Schule nur als notwendiges Übel empfunden wird. Es geht um Erwachsene, die verantwortlich handeln wollen und doch loslassen müssen. Und es ist ein Film über die Liebe, die erste und die immer noch aufregende mit 40-Plus, genauso wie die zwischen Eltern und Kindern. Das alles lässt sich gut miterleben, weil es auch diesmal mit Sympathie und Humor erzählt ist.

Faltenfreier Ernst

Leider nur hat Lisa Azuelos nicht auch noch den Cast mit nach Chicago nehmen können. Demi Moore spielt die besorgte Mutter im Vergleich zu Sophie Marceau geradezu staatstragend, mit großem Ernst und Gedankenschwere, wenn auch mit völlig faltenfreier Stirn. Und einer Miley Cyrus, die durch ihre Musikfilme als „Hannah Montana“ bereits zu den Spitzenverdienern in Hollywood gehört, mag man die süßen 16 Jahre nicht mehr abnehmen.

Jedenfalls spielt sie nicht professionell genug, um natürlich zu wirken. Immerhin sind die beiden Jungs in ihrem Blickfeld ausgesprochen reizend. Jungen Zuschauerinnen sei der neue Film also wegen Douglas Booth und George Finn empfohlen. Doch lohnenswerter ist ein Besuch der Videothek wegen des Originals.

LOL. Laughing Out Loud USA 2012. Regie: Lisa Azuelos, Drehbuch: Lisa Azuelos, Kamir Aïnouz, Kamera: Kieran McGuigan, Darsteller: Miley Cyrus, Demi Moore, Douglas Booth, Ashley Hinshaw, Ashley Greene, George Finn u. a.; 97 Minuten, Farbe. FSK ab 6.