Berlin - Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Das sagen sich die an Kunst-am-Bau-Projekten arbeitenden Mitglieder der Künstlerinnengruppe msk7 und starten in Berlin soeben eine von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen erfreulich umstandslos finanzierte Langzeitaktion: Deren Name: „Residenzpflicht“.

Die Ironie dringt aus jedem Buchstaben des Begriffs. Und soll es auch. Als Residenzpflicht wird bekanntlich die Auflage für in Deutschland lebende Asylbewerber und Geduldete bezeichnet. Die amtliche Bezeichnung lautet räumliche Beschränkung (§ 56 Asylgesetz, § 61 Aufenthaltsgesetz). Sie verpflichtet die Betroffenen, sich nur in dem von der zuständigen Behörde festgelegten Bereich aufzuhalten.

In diesen vorgeschriebenen Bereich ziehen ab diesen Tagen und je für einen Monat und in je einen Container der modularen Berliner Flüchtlingsunterkünfte (MUFs) zehn internationale Künstler.

Ebenfalls als „Residenz“. Sie wollen dort mit den Bewohnern zusammenleben, deren Geschichte erfahren, sie in ihre künstlerische Arbeit einbeziehen.

Deutsch-Syrer Manaf Halbouni stellte drei zerschossene Busse vor der Dresdner Frauenkirche auf 

Der erste Künstler bei dieser Aktion ist der Deutsch-Syrer Manaf Halbouni, geboren 1984 in Damaskus, Sohn einer Dresdnerin und seit langem in der sächsischen Metropole zu Hause, wo er an der Kunsthochschule studierte. Sein Name ging um die Welt, als er im Jahr 2017 erst vor der Dresdner Frauenkirche, später vorm Brandenburger Tor in Berlin drei hochkant stehende, ausgebrannte, zerschossene Busse aufstellte, als krasses Barrikadensymbol für den Bürgerkrieg in Aleppo.

Für seinen Aufenthalt im MUF Wittenberger Straße in Marzahn baut der Bildhauer aus lauter Fundstücken einen Flugzeugpropeller nach, nennt das krude Objekt gerade im Bezug auf die angeordnete „Residenzpflicht“ seiner zeitweiligen Nachbarn: „The Flying Dreams“.

Erste Residenz Vorstellung von Manaf Halbouni: 24. Mai, 17 Uhr, MUF, Wittenberger Straße 16.

Zweite Residenz Start am 31. Mai, 17 Uhr (bis 28. Juni), MUF, Paul-Schwenk-Straße 17.

Weitere Orte: www.residenzpflicht.berlin