Dichter Verkehr rollt über eine New Yorker Brücke. Menschen und Autos spiegeln sich in glänzenden Fassaden. Wolkenkratzer, Häuserschluchten. Eine Millionenmetropole. Gegenschnitte zeigen Petrischalen, in denen etwas wächst, das sich langsam vorantastet, eine schleichende Gefahr.

Es ist nichts weniger als ein Katastrophenfilm, der im Vorspann von „Resistance Fighters – die globale Antibiotikakrise“ angekündigt wird. Eine Seuche breitet sich aus, unsichtbar und vielleicht unaufhaltsam.

Dokumentarfilm "Resistance Fighters" von Michael Wech

Ja, es ist eine Katastrophe, von der der Dokumentarfilm von Regisseur und Drehbuchautor Michael Wech handelt, der am 19. März auf Arte ausgestrahlt wird. Aber die Katastrophe kommt nicht plötzlich, sie bricht nicht über die Menschheit herein wie ein Unwetter. Sie kommt in Schritten oder Wellen, sie war vorauszusehen, sie wurde ignoriert, und bald ist sie da.

„Was wir jetzt erleben, ist ein Tsunami in Zeitlupe,“ sagte Margaret Chang, die ehemalige Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, im September 2016. „Die Folgen werden gewaltig sein.“ Sie sagte es bei einer Sonderversammlung, zu der die Vereinten Nationen zusammengekommen waren. Erst zum dritten Mal seit der Gründung der UN verständigten sich die Vertreter der Weltgemeinschaft damals auf gemeinsame Leitlinien im Gesundheitswesen, um das gemeinsam zu bekämpfen, was Chang im Film als eine der großen Katastrophen der Weltgesundheit bezeichnet: Das Versagen der gebräuchlichsten Antibiotika.

Im Film wird klar, dass das vor allem zwei Ursachen hat: Seit Jahrzehnten stagniert die Entwicklung neuer Antibiotika, an die sich die Bakterien noch nicht angepasst haben. Zu teuer und unrentabel ist der Prozess für die Pharmafirmen. Gleichzeitig wurden seit Jahrzehnten weltweit Antibiotika in der Tiermast eingesetzt – auch bei völlig gesunden Tieren, zur Ertragssteigerung und zur Vorbeugung. Über die Tiere gelangen die resistenten Keime in die Umwelt – und in den menschlichen Körper.

Doku „Resistance Fighters“ auf Arte: Regisseur Michael Wech hat zwei Jahre weltweit recherchiert

Zwei Jahre lang sind Regisseur Michael Wech und sein Team durch die Welt gereist, haben Ärzte und Wissenschaftler begleitet, die verzweifelt gegen die Entwicklung ankämpfen, haben mit Patienten, Aktivisten und Politikern gesprochen.

Sie haben einen jungen Mann aus Seattle in den USA getroffen, dem nach einem Unfall immer größere Teile seines Beines abgenommen werden mussten, weil in seinem Blut immer wieder Antibiotika-resistente Bakterien festgestellt wurden.

Einen Arzt aus Bangladesch, in dessen Krankenhaus in Dhaka reihenweise Menschen sterben, weil die zur Verfügung stehenden Antibiotika nicht mehr helfen.

Einen britischen Mikrobiologen, der sich seit einem Vierteljahrhundert dem Kampf gegen Antibiotika-Resistenz verschrieben hat – und nun feststellt, dass es zu spät sein könnte. Sie alle sind Zeugen dafür, dass es sich um eine Krise handelt, die keine Landesgrenzen kennt.

Fakten, die „Resistance Fighters“ präsentiert, sind beängstigend

„Wenn wir nichts gegen Antibiotika-Resistenz unternehmen, könnten schon in 35 Jahren zehn Millionen Menschen jährlich sterben“, sagt Jim O’Neill, der Sonderbeauftragte der britischen Regierung für Antibiotika-Resistenz, im Film. Sterben, weil selbst für scheinbar triviale Erkrankungen keine wirksamen Antibiotika mehr zur Verfügung stehen werden. Oder weil sich nach Routineoperationen Infektionen ausbreiten, gegen die die einst als Wundermedizin gefeierten Mittel machtlos geworden sind.

Die Fakten, die „Resistance Fighters“ präsentiert, sind beängstigend und sie sollen es sein. Die Sicht, die hier vermittelt wird, ist nicht weniger als dramatisch. Die Botschaft des Films lautet: Antibiotika-Resistenz ist eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit.

„Wenn wir tatsächlich all unsere Antibiotika verlieren, wäre das wie eine Bombe, die die Gesundheitssysteme weltweit zerstören würde“, sagt Wissenschaftsjournalistin Maryn McKenna im Film. „Wir haben die Lunte dieser Bombe angezündet. Sie brennt. Wir wissen nur nicht, wie lang sie ist.“

Und auch nicht, ob wir sie noch löschen können. 

Resistance Fighters – Die globale Antibiotika-Krise 19. März 2019, 20.15 Uhr, Arte