Vor ein paar Jahren veröffentlichte ein Psychologie-Professor an der renommierten Princeton Universität seinen Lebenslauf mit all den Titeln, Jobs und Ehrungen, die er verbockte und daher nie bekam. Man könnte dies nun einfach als eine ermutigende Aktion für seine Studenten abtun. Dahinter steht jedoch etwas, was mich seit jeher an den USA fasziniert: der positive Umgang mit dem Scheitern. Scheitern ist in den USA ein Ansporn, es noch mal zu versuchen, anders und besser. Wer nicht mindestens mit einem Projekt einmal gescheitert ist, hat keinen guten Lebenslauf.

Insofern haben sich die Berliner Gastronomen Axel Burbacher und Guanfeng Guan wohl gerade für eine Karriere in den USA qualifiziert. Denn die beiden Erfolgsverwöhnten sind zum ersten Mal gescheitert – mit ihrem gemeinsamen Restaurantprojekt namens Roy&Pris Starkitchen, das nun der Vergangenheit angehört und ein paar Jahre lang gegenüber dem Weinbergspark in Mitte vor sich hingedümpelt war.

Entspannte italienische Restaurants sind Mangelware

Burbacher und Guan, zu deren kulinarischem Portfolio unter anderem die ebenfalls am Weinbergsweg liegenden Läden Yumcha Heroes, Galão und Nihombashi zählen, haben das Roy&Pris aber nicht einfach nur zugemacht. Sie haben neu nachgedacht – und zwar darüber, was dem Viertel eigentlich fehlt.

Das Roy&Pris war immer ein wenig zu verkopft, zu sehr bemüht zu beeindrucken. Im Mittelpunkt der Karte stand eine sehr spezielle nordchinesisch-taiwanesische Spezialität. Und das angestrengte Neon-Ambiente lud vielleicht einmalig Touristen, aber nicht die Anwohner zum täglichen Verweilen ein. Die Berliner in diesem kinderreichen Bezirk lieben Asiaten, doch davon gibt es rund um den Park nun wirklich genug. Was aber Mangelware ist, sind entspannte italienische Restaurants, zu denen man mit Kind und Kegel gehen kann. Und genau diese Lücke füllt nun das Marina Blue.

Verschiedene Pasta-Gerichte, die gut gefallen

Nur an ein paar Kleinigkeiten wie den neonfarbenen Lichtschnüren an der Decke sieht man noch, dass hier das Roy&Pris umdekoriert wurde. Doch jetzt ist das Konzept so simpel wie ein Strandlokal am Mittelmeer. Man sitzt auf aus Stroh geflochtenen Stuhlflächen an blau gestrichenen Tischen, und auch die Karte ist schnell erklärt. Es gibt Antipasti, Pasta, Secondi, Pizza und Dolci - wobei die allermeisten Gerichte Klassiker sind: Bei den Vorspeisen hat man etwa die Wahl zwischen Burrata mit Tomaten-Bruschetta, einer Auberginen-Parmigiana und einem Insalata di polipo con patate e olive, wobei letzterer exakt so gut wie die Summe seiner Zutaten schmeckt. Einzig überraschend ist seine Präsentation im Einmachglas. Ansonsten wird man nicht mit Schäumchen und Co beeindruckt, sondern mit einem guten Oktopus, der mit Kartoffelwürfeln, Oliven, Stangensellerie, Zitrone und Olivenöl als Salat angemacht ist.

Auch an meiner Margarita gibt es nichts zu meckern. Der eher dicke Pizzateig hat knusprige Brandblasen im Steinofen geworfen und ist doch weich, wobei ein würziger Tomatensugo und Mozzarella die Pizza saftig machen. Die verschiedenen Pasta-Gerichte zur Auswahl gefallen mir mit am besten auf der Karte. Auch hier finden sich Klassiker wie Spaghetti Carbonara oder Gnocchi mit Tomaten und Fior di Latte – aber auch einige mit Fisch und Meeresfrüchten, die man eher seltener bekommt. 

Ich bestelle Cavatelli mit Cozze und Gamberi, die Tagesempfehlung. Übersetzt heißen diese Nudeln „kleine Höhlen“, weil sie wie zusammengerollte Muscheln aussehen. Die Tomatensauce, die das Garnelen- und Muschelaroma aufgenommen hat, könnte man nicht besser in einem italienischen Dorf bekommen. Auch die gegrillte Riesengarnele schmeckt fantastisch.

Aufs Marina Blue habe ich sicherlich öfters Lust. Ich fürchte nur, es wird bald schwer werden, spontan einen Platz zu bekommen.

Marina Blue, Weinbergsweg 8a, Mitte. Mo–Fr ab 18, Sa und So ab 13 Uhr. Tel. 0176 22 01 82 45.
Antipasti 6,50–12,50 Euro, Pasta 10,50–14,50 Euro, Pizza 7,50–12,50 Euro, Secondi um die
24 Euro, Dolci 5,50 Euro.