Restaurant-Kritik: So unaufgeregt und lecker ist das Bryggeri Helsinki in Prenzlauer Berg

Ich glaube an Karma, die Idee, wonach eine Handlung unweigerlich Folgen nach sich zieht. Vielleicht schreibe ich deshalb nun ein bisschen zu positiv über das Bryggeri Helsinki. Doch ich möchte etwas wiedergutmachen. Das Bryggeri, ein finnisches Brauereirestaurant, ist nämlich dort eingezogen, wo sich zuvor die spanische Tapas-Bar Gracia von Daniel Brühl befand, ein großes Ecklokal nahe dem Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Ich schrieb damals, dass Daniel Brühl zwar ein großartiger Schauspieler sei, nur dass er, was das Essen betrifft, mit mir als Gast nicht rechnen sollte. Die Tapas waren wirklich nicht gut. Doch als das Gracia drei Monate später – und nur neun Monate nach Eröffnung – schloss, tat es mir leid.

Was meinen persönlichen Karma-Account angeht, will ich mich daher ins Zeug legen. Zum Glück muss ich nichts schönreden, denn mein Besuch im Bryggeri Helsinki hat wirklich Spaß gemacht. Zuerst einmal gefällt mir das unaufgeregte Konzept. Eine junge finnische Mikrobrauerei, die ihr Stammhaus in Helsinki hat, will ihre eigenen sowie andere ungewöhnliche Biere aus Finnland den Berlinern nahebringen. Die Auswahl bleibt dabei erfreulich übersichtlich, ebenso die Karte. Auf ihr stehen einige typische nordische Speisen wie Lachssuppe und ein paar wechselnde Fleischgerichte. Dazu jeweils eine Bierempfehlung.

Optisch wurde kaum etwas verändert. Es sind nun ein paar holzgerahmte Fotos an die petrolfarbenen Wände gehängt und hinter dem Tresen befinden sich Zapfhähne, weil es einige Bryggeri-Biere auch vom Fass gibt. Sympathisch ist das überwiegend finnische Team, das kein unnötiges Brimborium ums Tasting veranstaltet, Nachfragen aber nicht nur auf Englisch, sondern – nicht immer üblich in diesem Kiez – sogar auf Deutsch beantworten kann.

Gute Hausmannskost im hohen Norden

Das goldgelbe Bryggeri Pils, das Hausbier, erinnert mich ein wenig an ein bayerisches Helles: nicht besonders bitter und etwas trüber als ein klares Pils. Es wird aus deutschen Sorten gebraut und bleibt ungefiltert. Dazu esse ich Pastinaken mit Fichtenöl, die auf dreierlei Weise hübsch, aber nicht übermäßig raffiniert angerichtet sind. Dem Püree ist Meerrettich untergehoben, weshalb es leider eine leicht bittere Note bekommen hat. Toll schmecken die gebackenen süßlichen Pastinakenspalten und Pastinakenchips, bei denen ein angenehm harziges Aroma durchkommt. Ein perfekter Bier-Snack.

Handwerklich gut gemacht und kombiniert ist auch das hauchdünne, salzig gepökelte Ochsenfleisch, zu dem in Fruchtessig eingelegte Rote Bete und eine Preiselbeermayo angerichtet sind. So stelle ich mir gute Hausmannskost im hohen Norden vor. Empfohlen wird dazu Bryggeri Rosé, eine Art Hybrid aus Bier und Wein mit 8,8 Prozent Alkohol. Ich hatte mir jedoch schon eine Flasche Rauchbier mit Wacholder namens Prykmestar Savukataja bestellt. Ich war wirklich überrascht, denn ich bin keine Freundin von Bier-Experimenten. Das dunkelbraune Bier mit dem Rauch- und Wacholderduft begeistert mich. Volle, malzige, ins zuckrige gehende Aromen, die es in sich haben, wie man nach einer 0,5-Liter-Flasche bald merkt.

Gut, dass ich etwas Gehaltvolles als Hauptgericht bestellt habe: einen Teller Rindereintopf mit Kartoffelpüree. Der Stampf ist mit viel Butter und oben zart schmelzenden Salzflocken gemacht.

Das Bryggeri wird sich halten

Dazu vereinigen sich im tiefen Teller das geschmorte Rindfleisch mit seiner sämigen, essigsauren Fleischsauce, die ohne Tomaten oder Paprika auskommt. Die Nachspeise, ein Blaubeerschaum mit Hafercookies, harmoniert wunderbar mit dem süßen Rauchbier.

Ich denke, das Bryggeri wird sich hier halten. Es ist ein sympathischer Laden, der nicht alles neu erfinden will. Solche Läden werden immer seltener. Leider.