Seit Oktober höre ich in dieser Stadt immer wieder einen Namen: Layla. Damit ist keine Neuauflage des Eric-Clapton-Songs gemeint, sondern ein sehr angesagtes israelisches Restaurant. Der Starkoch Meir Adoni, dessen Restaurants in Tel Aviv und New York Kritiker begeistern, hat es eröffnet. Auch aus Berlin berichten Foodies jetzt euphorisch über Kreationen wie Forellen-Doughnuts oder Aubergine-Carpaccio.

Es war nicht leicht, eine Reservierung zu bekommen, erst beim dritten Anlauf hat es geklappt. An einem Freitagabend saß ich dann mit meinem Mann und einem befreundeten Paar im Layla. Seither frage ich mich, ob dieses Restaurant der Beweis ist, dass Berlin gastronomisch nun auf Weltniveau angekommen ist.

Das Essen war tatsächlich weltklasse. Dennoch verstehe ich meine Frage nicht uneingeschränkt positiv. Weltniveau bedeutet ja auch, dass etwas vom spezifischen Charakter eines Ortes zugunsten einer international kompatiblen, gehobeneren Klasse auf der Strecke geblieben ist.

Das alte Flair ist im Layla verloren gegangen

Im Falle des Layla deutet vieles darauf hin: Das Restaurant befindet sich im Crowne Plaza am Anhalter Bahnhof, ist also konzeptionell eine Hotelgastronomie. Das Gebäude war einmal ein Postamt und zentrale Anlaufstelle für jegliche Westberliner Post. Im Restaurant erinnert nichts mehr daran. Bücherregale als Raumtrenner sorgen für Wohnzimmeratmosphäre, bunte Sitzkissen für Farbkontraste zu dunklen Wänden. Die Tische gruppieren sich um die Küche in der Mitte. Fürs Interieur hat Meir Adoni seinen Innenarchitekten aus Tel Aviv beschäftigt. Tel Aviv, New York, das ist ganz klar die Messlatte.

Leider orientieren sich auch die Preise an diesen Städten. „Casual Fine Dining“ nennt Adoni sein Konzept. Der Brotkorb kostet elf Euro, die Preise für die Vorspeisen klettern von hier bis zu 23 Euro für einen Caesar Salad. Für „Something to continue“, gemeint sind die Hauptgerichte, zahlt man zwischen 29 und 39 Euro, mehr als in mancher Sterne-dekorierten Gastronomie in Berlin.

Layla: Raffinierte orientalische Küche

Soweit die Kehrseiten vom Weltniveau. Nun aber zum Essen. Das besagte elf Euro teure Brot, ein Sesamring, mit Olivenöl goldgelb gebacken und von drei Dips begleitet, ist ein guter Start, wenn auch nicht unbedingt sein Geld wert. Spätestens bei den Forellen-Doughnuts fürs gleiche Geld bin ich aber von den Socken. So raffiniert habe ich die orientalische Küche noch nicht erlebt.

Gegensätze werden hier aufs Harmonischste aufgelöst, wie es sonst nur die asiatische Küche beherrscht. Geräuchertes Forellenfilet in einen heißen, luftigen Fettteig mit feinstem Zuckerstaub zu packen und zu einer Mandarinensauce zu servieren, ist verrückt und genial zugleich. Nicht minder begeistert mich Panipuri, eigentlich ein frittierter indischer Teigsnack, der hier aber als hauchdünne Teighaut interpretiert und mit limettengetränkten Ceviche, Tomaten-Confit, Yuzu-Aioli, Mandeln und Aprikose belegt ist. Beim Reinbeißen knackt der Teig auf, und gibt fluffigen Joghurtschaum frei.

Layla: Auberginen-Carpaccio mit über 30 Zutaten

Adonis Spezialgericht ist das Auberginen-Carpaccio mit über 30 Zutaten, das er in jedem seiner Restaurants anbietet. Wir bekommen es aufs Haus, weil unsere Hauptgerichte länger auf sich warten lassen, eine nette Geste des sehr aufmerksamen Service. Auch hier ist die Aromenvielfalt und -intensität unglaublich. Dattelhonig, Pistazien, Feta, rohes Sesammus und getrocknete Rosenblätter mischen sich mit milden Rauchnoten der Aubergine.

Als mein Hauptgericht kommt, ein marokkanisch inspirierter Eintopf mit Meeresfrüchten, wünschte ich fast, ich hätte auch ihn zum Teilen bestellt, weil die Wucht der Aromen fast zu viel wird. Das so angesagte Sharing-Konzept, das auch hier zelebriert wird, ist empfehlenswert. Das Layla bewegt sich tatsächlich auf einem neuen Niveau – man kann das als Lob und als Kritik gleichzeitig verstehen.

Layla, Hallesche Str. 10, Kreuzberg, täglich 18–1 Uhr.
Vorspeisen 11–23 Euro, Hauptgerichte 29–39 Euro, Desserts 13–17 Euro.