Ich habe mir sagen lassen, in Japan sehen die besten Restaurants nicht immer so aus, wie wir es hier als typisch japanisch kennen. Oft liegen sie versteckt in den oberen Etagen von Bürogebäuden oder unter der Erde in Tiefgaragen. Sie sind nur über Fahrstühle erreichbar, ähneln in ihrer Einrichtung kitschigen Themenparks oder sind einfach nur ziemlich hässlich. Jedenfalls ist es selten das klare und lichte Design, das wir gern mit Japan assoziieren. Das Zenkichi in Berlin ist daher wohl ziemlich authentisch. Es liegt im Keller eines Bürokomplexes seitlich vom Friedrichstadtpalast.

Das Zenkichi ist ein Ableger des gleichnamigen Restaurants in New York

Als ich die Kellerstufen zum Zenkichi hinabsteige, fühle ich mich, als würde ich eine etwas dubiose Saunalandschaft betreten. Es ist ziemlich dunkel hier und sehr verwinkelt, und es riecht nach ätherischen Ölen. Die Gänge, durch die die Gäste in Separees geführt werden, sind mit schwarzen Steinen ausgelegt. Bambusrollos trennen die Separées vom Rest des Lokals.

Das alles ist nicht unbedingt schön, aber definitiv ein Erlebnis, und ich frage mich, warum ich noch nie hier war. Das Restaurant existiert schon seit 2015, es ist ein Ableger des gleichnamigen Restaurants in New York, eröffnet von der Japanerin Motoko Watanabe und ihrem israelischen Mann Shaul Margulies.

Das Zenkichi führt auf eine Reise durch das traditionelle Japan

Das Zenkichi in Berlin ist ein Phänomen. Obwohl es die wenigsten Berliner kennen, ist es gut besucht. Die meisten Gäste sind Foodies, Exil-Japaner und Touristen, die das Lokal gezielt ansteuern. Denn kaum ein anderer Hauptstadt-Japaner zelebriert so pur die Lehre: kein Sushi, kein Wein, kein Deutsch – dafür ein zeremonielles, von Proteinen hin zu Kohlenhydraten aufbauendes Omakase-Menü. Dazu feinster Sake, gekühlt eingeflogen aus japanischen Mikro-Brauereien und ausgewählt von einer eigenen Sake-Sommelière.

Die serviert zur Einstimmung einen in Champagnermethode ausgebauten Sake namens Kikuizumi Hitosuji, er ist unglaublich feinperlig, hat eine elegante Süße, so etwas habe ich noch nie gekostet. In Japan werde Sake passend nach Saison angeboten, erklärt die Sommelière, der Trend gehe derzeit zu perligem Sake mit ausgeprägten Aromen. Ich bekomme zum ersten Mal eine Ahnung von der Vielfalt dieses Produkts. Inzwischen habe ich mich an das sehr sparsame Licht und die etwas nervigen Jazztöne gewöhnt, die, wie ich erfahre, traditionell gehobene japanische Restaurants von Tokio bis New York beschallen. Dann beginnt mit dem achtgängigen Frühlingsmenü eine regelrechte Reise durch das traditionelle Japan. Die Vorspeisen werden als Quintett serviert, es geht von den hauchzarten Aromen eines in Kombu gebeizten Wolfsbarsch-Sashimis über zu knackigen Lotuswurzeln, die mit einer feinen Eigelb-Essigsauce beträufelt sind. Hinzu kommt ein Tartar aus Hokkaido und Jakobsmuschel und kleine angeflämmte und in Miso marinierte Frischkäse-Taler.

Ein Besuch im Zenkichi kann fast einen Besuch in japan ersetzen

Das Sashimi, das folgt, ist ein Denkmal an die Meerestier-Zubereitung: Wie marmoriert durchzieht das Fett das Tunfisch-Filet, das am Gaumen schmilzt und mit einem braunen, sanften Wasabi gegessen wird, das nicht aus Pulver angerührt, sondern frisch aus der Wurzel zubereitet wird. Und selten habe ich eine so perfekte Softshell-Krabbe in Tempura genossen, bei der jedes Krabbenteil saftig war und sich geschmacklich unterscheidet. Brillant auch das Kalbs-Shabu-Shabu in Premium-Sake pochiert und der hausgemachte, seidige Tofu zum Löffeln.

Natürlich kann man das alles auch à la carte bestellen und auf das zugegeben teure Menü verzichten. Doch es wäre ein Fehler, weil ein Besuch im Zenkichi fast einen Besuch in Tokio ersetzen kann. Viel mehr kann ein japanisches Restaurant kaum leisten.

Zenkichi Johannisstr. 20, Mitte. Geöffnet Mo–Sa 18–24 Uhr (Küche bis 22.30 Uhr) und So 17.30–23.30 Uhr (Küche bis 22 Uhr)

Vorspeisen 4,50–11 Euro, Hauptgerichte 9–26 Euro, Desserts 7 Euro, 3-Gänge-Menü 45 Euro, 8-Gänge-Menü 70 Euro, 8-Gänge-Gourmetmenü 105 Euro