Als „jugendlicher Liebhaber“ begann Hans Moser Ende des 19. Jahrhunderts seine Schauspielkarriere. Mit seinen 157 Zentimetern Körpergröße in der Sparte allerdings nur mäßig erfolgreich, tingelte er durch Provinzbühnen u. a. in den Kronländern Mähren (Friedek-Mistek), Krain (Laibach) und Bukowina (Czernowitz). Nach dem Ersten Weltkrieg fand er dann in seiner Geburtsstadt Wien zu jenen Rollen, die ihn zu seinem eigenen Markenzeichen werden ließen. Zuerst auf der Bühne, dann im Kino spielte er immer wieder Schaffner, Buchhalter, Prokuristen oder Postboten – im weiteren Sinne subalterne Figuren, die umso engstirniger ihren Dienst verrichteten. Bei allem Nörgeln, Schimpfen und Granteln steckte in jenen miesepetrigen Rollen doch stets ein menschlich-allzumenschlicher Kern, nie gerieten sie zynisch. Diese Wandelbarkeit glaubhaft zu entfalten, darin lag die Meisterschaft Hans Mosers.

Zu ungeduldig für die Gegenwart

Das Filmarchiv Austria hatte für sein Metro-Kino eine Retrospektive des vielleicht typischsten österreichischen Schauspielers vorbereitet. Nun können wegen des Corona-Lockdowns einige der Filme auch bei uns gesehen werden, sie laufen frei zugänglich im Netz. Eine Kuriosität stellt „Die Welt dreht sich verkehrt“ von Johannes Alexander Hübler-Kahla dar. 1946 als einer der ersten Nachkriegsfilme gedreht, gehört das Werk zum relativ selten bedienten Subgenre der Zeitreisen-Filme. Moser spielt hier einen biederen Prinzipal, der unentwegt die ganze Familie mit seiner Sehnsucht nach den vermeintlich guten alten Zeiten nervt. Zur Strafe wird er mittels eines Zauberrings in drei weit zurückliegende Epochen geschickt: erst in die Zeit der Napoleonkriege (1814), dann zur zweiten Belagerung Wiens durch die Türken (1683) und schließlich ins Römische Imperium (176), als Wien noch Vindebona hieß. Er gerät in alle möglichen Notlagen, vermag die Situationen aber dank seines Mutterwitzes zum Guten zu wenden. Zuletzt landet er wieder im trauten Familienkreis, geläutert und mit optimistischem Blick auf die Zukunft.

Zu frivol fürs deutsche Publikum

Weitaus klassischer fällt seine Rolle im zehn Jahre vorher entstandenen „Die Fahrt in die Jugend“ aus. Unter der Regie des Vielfilmers Carl Boese spielt Moser hier den typischen, sich selbst unterdrückenden Kleinbürger, in dem jedoch ungeahnte Sehnsüchte walten und auf Erfüllung warten. Eher zufällig schließt er sich einer um ihre Einnahmen geprellten weiblichen Varieté-Gruppe an, durchlebt mit den Frauen allerlei unschuldige Abenteuer. Die quirligen „Vienna Girls“ lassen sich durch die erlittene Ungerechtigkeit nicht unterkriegen, sie machen einfach immer weiter und reißen ihren Begleiter in diesem Optimismus mit. Später werden sie vom Schicksal dafür großzügig entlohnt. Wegen mutmaßlich frivoler Tanzszenen wurde der ansonsten völlig harmlose Film von der Zensur im benachbarten Deutschland mit einem „Jugendverbot“ belegt. 1938 mutierte Österreich dann zur deutschen „Ostmark“. Hans Moser verweigerte sich dem Drängen von Goebbels, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen. Während er auf der Bühne und vor der Kamera weiter den lustigen Wiener gab, konnte sie, versteckt in Budapest, überleben.

Hans-Moser-Retrospektive unter: www.filmarchiv.at
„Die Welt dreht sich verkehrt“ läuft vom 1. bis 7. Januar, „Die Fahrt in die Jugend“ vom 8. bis 14. Januar. Zahlreiche Filme mit Hans Moser sind preiswert auf DVD erhältlich.