Radweg am Potsdamer Platz.
Foto: Markus Wächter

Berlin - Sie fuhr so ein Hollandrad, auf dem man mit geradem Rücken thront und den Blick weit in die Ferne richten kann. Unsereiner hängt ja oft eher so fragezeichenartig über dem Lenker, als wüsste man alles Mögliche im Leben nicht so genau. Nicht so sie. Die hennagefärbten Haare flogen im Wind, schräg über den Rücken hatte sie ihre Yogamatte geschnallt, es ging zum Sport am hellen, sonnigen Morgen, die Welt stimmte für sie, das sah man von weitem.

Dann aber erblickte sie mich und nicht nur ihre Augen, sondern ihre ganze Haltung verengte sich. Denn ich kam ihr, selbst Rad fahrend, auf dem Fahrradweg entgegen. Sie trat sichtbar heftiger in die Pedale, schoss auf mich zu, dem Pfeil ihres Blickes folgte ein Kometenschweif an Verachtung. „Falsche Richtung!“, zischte sie auf den Gehweg hinüber, auf den ich mich gerettet hatte, als mich ihr Fahrtwind erfasst. „Nein, Liebe“, rief ich da und wunderte mich selbst über meine geradezu sonntägliche Nachgiebigkeit mitten in der Woche und unter diesen Umständen. „Sie sind es, die auf der falschen Seite fahren!“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.