Berlin - Absurder, schwarzer Humor. Er ist deshalb so witzig und kathartisch, weil er sich in seiner Wirkungsmacht nicht vollständig erklären lässt. Der Kern ist in einer Apparatur der Affekte verborgen, die das menschliche Hirn nicht ganz durchdringen kann. 

Ein formelhaftes Beispiel für die Affektstruktur solchen Humors hat ein US-Anwalt während eines Treffens auf der Videoplattform Zoom am 9. Februar in Texas geliefert. Eigentlich wollte Rod Ponton zusammen mit zwei Richtern einen Kriminalfall verhandeln. Um Geldschmuggel sollte es gehen. Doch die Sitzung konnte wegen eines technischen Fehlers nicht starten.

Es klingt wie ein Hilferuf

Anwalt Rod Ponton hatte das Problem, dass er in der Konferenz nicht als Mensch, sondern als kleine niedliche Miezekatze erschien. Vor dem Beitritt war es ihm nicht gelungen, den Filter seiner Zoom-Software umzustellen. Vermutlich hatte sein Kind vorher den Rechner benutzt.

Das Ergebnis ist eine der absurdesten Sitzungen, die die Rechtsgeschichte jemals erlebt hat. Man schaut dabei zu, wie sich zwei Rechtsgelehrten und eine Miezekatze gegenseitig Hinweise geben. Die circa 50 Sekunden der Aufzeichnung haben sich rasant bei YouTube verbreitet und sind ein ungebrochener Quotenhit.

Dabei ist der Witz des Clips auch deshalb so wirkungsmächtig, weil er simpel ist. Man beobachtet den Anwalt dabei, wie er sich im Gewand der Miezekatze windet und in der staatstragenden Situation zu verstehen zu geben versucht, dass er eigentlich keine Katze sei. Was der Anwalt als Reaktion offenbart, ist das, was wir alle kennen, wenn wir uns gefangen fühlen in der Matrix der Klicks und digitalen Buttons: Panik und Beschwichtigungsversuche. Es klingt wie ein Hilferuf: „Ich bin keine Katze!“ Köstlich.