Mit „Never Gonna Give You Up“ landete Rick Astley 1987 einen Welthit. Dann tauchte er lange Zeit unter, widmete sich der Erziehung seiner Tochter. Nun singt er wieder. Mit „50“ erscheint am 10. Juni ein neues Album. Ob es für ein erfolgreiches Comeback reicht?

Mr. Astley, was macht man so den ganzen Tag, wenn man mit 27 beschließt, in Rente zu gehen?

Die Wahrheit ist, dass ich in der Zeit danach nichts Interessantes gemacht habe. Wobei: Ich hatte immerhin die Möglichkeit, wirklich da zu sein für Menschen. Für Leute aus meinem Freundeskreis, denen es gerade nicht so gut ging. Und natürlich für meine Tochter. 

Warum haben Sie sich damals aus dem Geschäft zurückgezogen?

Ich liebte es immer noch zu singen. Aber den meisten Teil der Zeit verbrachte ich mit Interviews. Am Ende fühlte ich mich wie ein Spieler von Manchester United, der nur noch auf der Ersatzbank sitzt.

Wie war es, als Sie nach all den Jahren Ihre neue Single „Keep Singing“ erstmals im Radio hörten?

Großartig. Ich saß gerade mit meiner Frau im Auto. Es war fast wie damals, als ich zum ersten Mal „Never Gonna Give You Up“ über den Äther hörte. Und doch weiß ich es heute viel mehr zu schätzen. Zumal ich alle Songs der neuen Platte selbst geschrieben und auch alle Instrumente im Studio in meinem Garten eigenhändig eingespielt habe. Es ist also wirklich meine Platte. Sie ist der Grund, warum ich zurück bin.

Der Song hat einen Gospelchor. So haben Sie mit dem Singen angefangen, oder?

Genau. Als Kind erlebte ich mit, wie meine Eltern ständig stritten. Sie ließen sich scheiden, und ich wuchs bei meinem Vater auf. Als ich dem Kirchenchor beitrat, war das wie eine Blase: Ich bekam plötzlich die Aufmerksamkeit, die mir zu Hause fehlte. Davon handelt das Lied. Ohne die Erfahrung des Kirchenchors wäre aus mir kein Popstar geworden.

Erinnern Sie sich noch gerne an Ihre Anfänge in London?

Das tue ich. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich hatte bereits meinen Vertrag bei Stock Aitken Waterman unterzeichnet, bevor sie zum erfolgreichsten Pop-Produzententeam der damaligen Zeit aufstiegen. Auch dank der Single „You Spin Me Round“ von Dead Or Alive, die sofort auf Platz 1 der Charts einstieg. Ich war nach London gezogen und machte Tee und Sandwiches für Dead Or Alive.

Hat Ihnen das Spaß gebracht?

Ja, es war eine unglaubliche Zeit. Ich kümmerte mich um alle Künstler, die in dem Studio aufnahmen: Princess, Bananarama, Mel & Kim...Ich war stiller Beobachter, lernte jede Menge beim Zuschauen, es war quasi meine Ausbildung. Als ich endlich selbst die Chance bekam zu singen, war das der goldene Moment.

Ihre Debüt-Single „Never Gonna Give You Up“ erschien 1987. Hat Sie der Erfolg überrascht?

Wenn man bei Stock Aitken Waterman eine Platte rausbrachte, wusste man, dass etwas damit passieren würde. Irgendwer würde die Single immer kaufen. Aber ich ahnte natürlich nicht, dass der Song so groß werden und mich mein ganzes Leben lang begleiten würde.

Es gibt ein Foto von Ihnen aus der damaligen Zeit, wo Sie vor einem riesigen Berg Fanpost sitzen.

Oh ja. Aber als ich jung war, habe ich die Fan-Hysterie nie wirklich verstanden. Obwohl es bei mir ja noch auszuhalten war. Die Boyband Bros war wesentlich umschwärmter. 

Wie reagierten Frauen auf Sie?

Frauen wollten mich bemuttern. Und Mütter ihre Töchter mit mir verkuppeln, weil ich den Anschein erweckte, als wäre ich ein braver Junge und völlig ungefährlich. Ich sah  ja auch aus wie ein zwölfjähriger Milchbubi!

Sie haben sich optisch gar nicht so sehr verändert.

Haha, danke! Es ist lange her. Gefühlt bin ich nicht mehr die Person von damals. Ich schaue mir auch nicht gern die Videos von früher an. Aber wer tut das schon?

Seitdem Sie als „Rickrolling“-Phänomen durchs Internet geistern, doch wieder viele!

Ja, aber dieser Scherz hätte mit jedem anderen kitschigen 80er-Video genauso gut funktioniert.

Haben Sie ein Lieblings-„Rickrolling“-Video?
Das, wo alle möglichen Obama-Reden hintereinander geschnitten wurden, sodass es wirkt, als würde Obama den Text von „Never Gonna Give You Up“ singen.

Den MTV-Preis als „Best Act Ever“, den Ihnen Fans dann noch durch ein Internet-Voting bescherten, wollten Sie 2008 aber nicht persönlich annehmen. Warum?

Meine Tochter, die damals 15 war, überzeugte mich, nicht hinzugehen. Denn MTV brüstete sich damit, wie ironisch sie doch wären, mich in einer Kategorie mit U2, Green Day und Britney Spears aufzustellen. Das ist keine Kategorie, in der ich mich sehe. Wenn es der „Best 80s Act“ gewesen wäre, hätte ich vielleicht drüber nachgedacht, dort aufzulaufen. Die Europäer fanden es trotzdem lustig, für mich zu voten. Also gingen U2 an diesem Abend leer aus.

Wo bewahren Sie den Preis auf?

Meine Tochter Emilie hat ihn. Er steht in ihrem Apartment in Kopenhagen.

Interview:  Katja Schwemmers