Vor zwei Jahren brach die Schülerin Bibi Bourelly aus Berlin die zehnte Klasse ab, verließ die Stadt und ging über Washington nach Los Angeles, um Musik zu machen. Das wollen natürlich viele; die kalifornische Musikmetropole ist so voller Talente, dass man noch in den Live-Schuppen von Santa Barbara, 80 Kilometer entfernt, Musik hören kann, die woanders ganze Hallen füllen würden. Hier aber bekommen die Musiker zwanzig Dollar und zwei Bier für den Auftritt und hoffen unverdrossen darauf, dass Kanye West vorbeikommt.

Bei Bibi Bourelly kam Kanye West auch nicht, sie ging stattdessen zu ihm hin. Über Umwege zwar, aber es dauerte nicht lange, und West und Bourelly arbeiteten gemeinsam an einem Song. Und so kam es, dass „Bitch Better Have My Money“ („Besser, die Schlampe hat mein Geld“), der neueste Hit von Rihanna, deren Album von Kanye West produziert wird, von einer Zwanzigjährigen aus Berlin stammt. Soeben kehrte Bibi nach Berlin zurück, um nach allen Regeln der Kunst den ungewöhnlichen Erfolg bekanntzumachen. „Ich will mich auf den Scheiß fokussieren, der wirklich wichtig ist“, erzählte sie der Deutschen Presseagentur mit Sinn für zitierfähige Sprüche: „Das ist der Song und das Party-Machen und im Club saufen.“

Ganz von ungefähr kommt das Talent nicht. Bibi ist die Tochter des zumeist in Berlin lebenden Jazz-Gitarristen Jean-Pierre Bourelly. Der in Chicago geborene Musiker mit haitianischem Familienhintergrund lieferte noch ein Jahr jünger, nämlich mit 19, seine erste Platte ab, spielte mit Pharao Sanders, Roy Haynes, Miles Davis, Cassandra Wilson und unzähligen anderen zusammen.

Bourelly bringt eigenen Song raus

Sein zwischen Funk und Jazz oszillierendes Gitarrenspiel nahm seit den 90er-Jahren Färbungen aus verschiedenen afrikanischen Musiktraditionen auf. Bibi Bourellys Mutter, Khadija Arjouni-Bourelly, war eine kosmopolitische Marokkanerin von großer Eloquenz, weitreichender Bildung und erlesenem Musikgeschmack. Ihr dröhnendes Lachen konnte ganze Räume mit einer unvergesslichen Herzenswärme füllen. In ihren letzten Lebensjahren arbeitete sie in der Musikabteilung des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin, bevor sie im Jahr 2000 an einer Krebserkrankung starb.

„Ich weiß, wie wertvoll der Schmerz ist“ sagt Bibi Bourelly. „Der Schmerz hat alles geschaffen, was ich bin.“ Und das ist eine Menge: Auf einem demnächst erscheinenden Rihanna-Album wird ein weiterer Bourelly-Song zu hören sein: „Higher“. Und soeben bringt Bibi Bourelly ihren eigenen Song „Riot“ heraus. Es ist eine berührende Kampfansage, eine finster entschlossene Kundgebung des Lebenshungers, der Suche nach Glück. Ein dunkle, etwas gebrochene, kehlige Stimme ist da zu hören, aus der von weiter Ferne deutlich ihre Mutter klingt.