Berlin - Am 12. Juni sollte der Heinrichplatz in Kreuzberg in Rio-Reiser-Platz umbenannt werden. Nun gab es einen Einspruch aus der Bevölkerung, der zunächst aufschiebende Wirkung hat, wie es heißt. Rio Reisers Bruder, der Autor Gert Möbius, kann das nicht verstehen. 

Herr Möbius, was sagen Sie dazu, dass sich nun jemand gegen die Umbenennung des Heinrichplatzes in Rio-Reiser-Platz wendet?

Ich kann das nicht nachvollziehen, es waren ja alle eindeutig dafür. Die wollen wohl ihren Heini nicht aufgeben.

Es geht also gar nicht gegen Rio Reiser?

Nein. Gegen den haben sie gar nichts. Sie wollen nur ihren Heinrich behalten. Ich weiß gar nicht, was sie mit dem zu tun haben. Das war ein preußischer Offizier, wahrscheinlich hat er eine Schlacht gewonnen.

Wissen Sie, wer da Einspruch erhoben hat?

Nein. Und das Bezirksamt darf den Namen nicht nennen. Ich habe nur gehört, dass die Rechtsabteilung des Bezirksamts glaubt, dass die damit nicht durchkommen werden.

Wie kam es überhaupt zu der geplanten Umbenennung?

Der Vorschlag kam aus der Linken in der BVV. Die hat das vorangetrieben. Auch der Kultursenator und die Bezirksbürgermeisterin sind dafür.

Sind denn auch die Anwohner  gefragt worden?

Ja, klar. Es wurde Tausende von Fragebögen in die Briefkästen gesteckt. Da konnte man ankreuzen, was man haben wollte. Die wurden ausgewertet, und alle haben sich für die Umbenennung ausgesprochen. Dann haben wir noch eine Veranstaltung in Kreuzberg gemacht, da wurde darüber diskutiert, was man umbenennen sollte. Es hat sich dann alles auf den Heinrichplatz konzentriert, weil mit dem Namen keine Postadresse verbunden ist. Das heißt, dass keiner seine Adresse ändern muss. Nur die Bushaltestelle müsste umbenannt werden.

Würde es Ihrem Bruder gefallen, dass ein Platz in Kreuzberg nach ihm benannt wird?

Auf jeden Fall würde es ihm gefallen. Die Ecke war ja unsere zweite Heimat. Wir haben da gewohnt, in der Oranienstraße, und haben dort auch Theater gemacht. Wir sind da abends ausgegangen, in die Stiege zum Beispiel. Das gehört auch zu meiner Biografie. Rio und ich haben zusammen Drehbücher geschrieben und Musik gemacht. Wir sind auch oft zusammen verreist. Das war eine sehr enge Freundschaft. Es war wahnsinnig schlimm für mich, als er gestorben ist. Deshalb hab ich nach seinem Tod ja auch das Rio-Reiser-Archiv aufgebaut. Ich habe auch viel ins Literaturarchiv nach Marbach gebracht.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir warten ab, wie es ausgeht. Wie geplant am 12. Juni kann die Umbenennung jedenfalls nicht passieren. Vielleicht im September. Aber keiner weiß es. Die Veranstaltungen finden trotzdem statt. Die Scherben werden im SO 36 spielen.