"Das Wetter outside ist scheiße, aber inside hier haben wir The Power of Showbiz“: Der Profi-Unterhalter Robbie Williams bringt es auf den Punkt, als er am verregneten Mittwochabend auf der Bühne der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof erscheint. Zu seinem Song „Shine My Shoes“ kommt er sichtlich guter Dinge aus dem Boden geschossen; im Smoking tänzelt er den Laufsteg entlang. Kreisch! Winkt er nach rechts, flippen die Menschen dort aus. Und winkt er nach links, dann tun sie das dort. Seit dem Beginn seiner Nummernrevue im Stil der 1920er-Jahre hat er das mehrheitlich weibliche Publikum auf seiner Seite. Als das Orchester „Puttin’ on the Ritz“ spielt, wirbeln Tänzer Zylinder, Stock und ihre Partnerinnen durch die Luft, und überall im Publikum flattern die Jazz-Hände. Jazz-Hände zeigt man, indem man die Hände hin und her bewegt, als ob man eine zu lose anliegende Armbanduhr zum Tanzen bringen will.

Wie aus der Pistole geschossen

Spaß haben die Leute auch an all den anderen Klamauknummern, etwa wenn Robbie Williams im Fatsuit am Seil fliegt, Justin Biber imitiert und auf die zahlreich hochgereckten Plakate seiner Fans eingeht. „Seit 21 Jahre komme ich in Ihre Konzerte– und hab immer noch kein Selfie“, steht in etwa auf einem. Robbie witzelt: „Erst seit 21 Jahren, und du willst ein echter Robbie Williams Fan sein!“ Alle lachen. Alles kommt bei ihm wie aus der Pistole, aber nichts ist spontan. Das ist Showbiz deluxe; straff durchgetaktet entführt es die Menschen für zwei Stunden aus ihrem Alltag. Und das ist eine große Leistung!

Robbie Williams’ Stimme ist nicht besonders gut an diesem Abend, aber das ist egal. Denn seine Stimme war nie der alleinige Grund dafür, dass er schon als Mitglied von Take That der Traummann vieler Mädchen wurde – das hat auch mit seinem Humor zu tun und natürlich mit seinem Aussehen. Viele seiner Hits spielt er in einem Medley als Swing-Fassung. Zum Dean Martin Cover „That’s Amore“ gibt es eine Spontanhochzeit mit einem glücklichen Fan: Shirley aus Potsdam wird zu Robbies „Showbiz Wife“ erklärt. Es gibt mehrstimmigen Gesang im Comedian-Harmonists-Stil, Konfettiregen zu „Swings Both Ways“ und ein herrliches Dschungelbuch-Scoobidoo im Affenkostüm. Auch Robbies Vater Peter Williams kam auf die Bühne, sang mit dem Sohn Duke Ellingtons „Do Nothing Till You Hear From Me“. Einfach sympathisch, dieser Robbie Williams.

Schlägerei vor der Halle

Nach zwei Stunden ist das Spektakel vorbei. Draußen regnet es. Tausende gehen in Richtung Warschauer Straße, an den T-Shirt-Verkäufern und Straßenmusikanten vorbei. Plötzlich kommt es zu einer Schlägerei zwischen einem Robbie-Plakat-Verkäufer und angetrunkenen Jugendlichen; es wird immer weiter zugetreten, obwohl da schon jemand auf dem Boden liegt. Viele Robbie-Williams-Fans gehen einfach vorbei, das hier ist keine Show. Zum Glück ist die Situation nach wenigen Sekunden unter Kontrolle, sind die Aggressivsten gebändigt. Der Verkäufer rappelt sich auf, sammelt seine Plakate ein – ob er einen Krankenwagen brauche, nein; ein Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Die Jugendlichen gießen sich noch was ein.

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