Aufziehende Gewitterwolken ziehen über die restlos ausverkaufte Waldbühne. Es wird dunkel und kalt. Bevor es losgeht, werden noch schnell Regenponchos am Getränkestand gekauft. Doch die etwa 22.000 Fans lassen sich vom dem trüben Wetter nicht die Laune vermiesen und warten tapfer auf ihr Idol. Und sie haben Glück, denn der Regen bleibt aus.

Um Punkt 19.15 Uhr geht es los: Es schallt britischer Synthie-Pop aus den Lautsprechern, die Vorband Erasure kommt in Glitzeroutfits auf die Bühne. Eine halbe Stunde lang wärmen sie die Robbie Fans  mit 80er-Jahre-Beats auf. Und die finden es richtig gut, schunkeln sich in Stimmung und tanzen, bis das Bühnenbild wieder schwarz wird.

Schaut man sich in den voll besetzten Reihen der Waldbühne um, wird schnell klar, dass nicht nur Robbie, sondern auch das Publikum älter geworden ist. Hier versammeln sich viele Pärchen, Eltern mit Kindern oder Freunde im Alter von 30 plus. Aber das macht nichts, denn die Stimmung steigt, mit La-Ola-Wellen und Tanzeinlagen vertreibt man sich die Wartezeit.

„God Bless Our Robbie“

Bis Punkt 21 Uhr wurden die Fans auf die Geduldsprobe gestellt. Zuerst gibt es auf der Leinwand einen Werbespot für Espresso mit Robbie und einer schönen Frau, danach ertönt eine Art spöttische Hymne: „God Bless Our Robbie“ vom Band. Alle Zuschauer erheben sich jetzt von ihren Plätzen und obwohl eigentlich keiner den Text kennt, singen alle kräftig mit, feiern ihren Star. 

Williams hat Humor, denn die Hymne handelt von seinen Drogenexzessen und ausbleibenden Erfolg in der USA. Erst danach verwandelt sich die Bühne in einen Boxring mit immer wieder wechselnden Bühnenbildern, angelehnt an das neue Album-Cover. Eine tiefe Rummelboxer-Stimme ruft: „Ready to Rumble. Ring frei für Robbie Williams“.

Robbie stürmt die Bühne im Bademantel, den er schnell abwirft, darunter trägt er nur ein Muskelshirt mit Blitzen und  einen britischen Faltenrock. Und obwohl Robbie über Rückenschmerzen klagt und mehrfach einwirft, dass er schon älter geworden sei, steht eins fest: Auf der Bühne ist der 43-Jährige immer noch eine Rampensau. Gut gelaunt, mit einem verschmitzten Grinsen, eröffnet der jetzt etwas pummelig wirkende Rockstar die Show mit dem ersten Song seines neuen Albums „The Heavy Entertainment Show“, umschwirrt von hübschen Tänzerinnen, die viel nackte Haut zeigen. Mit seinem Charme und den drei magischen Worten: „Ich liebe euch“ reißt Williams das Publikum in seinen Bann.

Gleich danach schmettert er seinen Klassiker „Let me entertain you“, ruft am Ende des Songs: „My Name ist Robbie fuckin' Williams!" und lüftet seinen Rock, erst hinten, dann vorn. Seine Unterhose mit einem aufgedruckten Löwenkopf blitzt hervor. Spektakulär, wie ein richtiger Rockstar eben! Dazu gibt es eine atemberaubende Lichtershow und viel Glitter. Die Stimmung eskaliert, das Publikum reißt die Hände in die Luft.

Auch männliche Fans schmelzen dahin

Doch Williams kann auch anders: zeigt sich auch von seiner weichen Seite. Es folgen gefühlvolle Songs aus seiner Take-That Zeit.  „Come Undone“ und „Never Forget“. Die Show ist ein gut abgestimmter Mix aus Swing und Rock. Als er schließlich „She's The One“ singt, bringt er nicht nur die weiblichen Fans zum dahinschmelzen, tausende brennende Feuerzeuge werden jetzt auch von den männlichen Fans in die Luft gehalten. Eine junge Frau aus dem Publikum darf sogar mit ihm zusammen unter einen lustigen Maske „Something Stupid“ singen. Romantisch.

Zum Ende des Konzerts sorgte der Rock-Rebell für einen unglaublichen Gänsehautmoment. Als er seinen Hit „Angels“ dem kürzlich verstorbenen Linkin-Park-Sänger Chester Bennington widmet, können sich einige Konzert-Besucher, und auch der sonst eher hart gesottene Robbie Williams selbst, ein paar Tränen nicht verkneifen. Und der Moment, als er schließlich seinen  Vater Pete Conway (68) auf die Bühne holt, um mit ihm Neil Diamonds „Sweet Caroline“ zu performen, einen Song aus Robbies Kindheit, bleibt mit Sicherheit für viele Besucher unvergesslich.

Nur über die Länge seines Auftritts von 1,5 Stundem klagen einige Fans auf dem Nachhauseweg. Da merkt man eben doch, dass auch ein Rockstar nicht vorm Älterwerden verschont bleibt.