Wenn es alte Männer noch einmal „krachen“ lassen, und Hollywood einen Film daraus macht, glaubt man zu wissen, was kommt. Nach ein paar gut abgehangenen Witzen über Herz, Niere und Prostata entwickeln die fidelen Rentner ungeahnte Energie; das Leben kehrt zurück in die alten Knochen, und der Kopf macht immer noch mit!

Viel zu junge Damen werden sich wünschen, mit solch einem Gentleman alt zu werden. Jüngere Konkurrenten, potente Hagestolze mit nichts als Flausen im Kopf, bekommen die ein oder andere Lektion. Alter vor Schönheit, Erfahrung siegt. Und doch wird jeder am Ende, so er es erlebt, an Erkenntnis gewonnen haben. Man lernt nie aus.

Genau so geschieht es in „Last Vegas“, wer hätte es geahnt? Nichts an diesem Junggesellentrip in Starbesetzung ist irgendwie originell – und natürlich ist es ein Riesenspaß!

Die betreffenden Senioren nennen sich die „Flatbush Four“, nach dem gleichnamigen Stadtteil in Brooklyn. Hier haben sie eine rasend aufregende Jugend verbracht, die zusammenschweißt. Wir freilich kennen sie als Robert De Niro, Michael Douglas, Morgan Freeman und Kevin Kline – Hollywoodstars mit recht unterschiedlicher Vergangenheit, was sich das Drehbuch jedoch zunutze macht.

Michael Douglas als reicher Schmock

Nehmen wir die Hauptperson: Michael Douglas spielt das, was er vor seiner letzten Rolle als schwuler Entertainer Liberace immer gespielt hat, also einen reichen Schmock. So nennt man in Brooklyn einen Lackaffen, der die Beerdigung eines guten Freundes für die richtige Gelegenheit hält, seiner jungen Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Robert De Niro, die ehrliche Haut, kann ihn nicht leiden.

Der Junggesellenabschied in Las Vegas soll die Bande festigen. Hier lockt das Glück, man kann darauf setzen. Freeman, das alte Schlitzohr, gewinnt beim Blackjack gleich einen Batzen Geld. Der Rest des Films wäre ohne diese kleine Nebensächlichkeit nicht zu denken: Als Premium-Kunden umgarnt, wird das Rat Pack zur Jury in einem Bikini-Wettbewerb und schmeißt eine Riesenparty. Zwischenzeitlich hält man die Freunde für Mafiabosse, was den weiblichen Zulauf keineswegs mindert.

Man müsste zumindest die Stirn runzeln, hätte man nur eine Sekunde zum Nachdenken. Nun, der Job von Regisseur Jon Turteltaub und Drehbuchautor Dan Fogelman ist es, das zu verhindern. Sie machen ihn hervorragend.

Die gut gelaunten Frotzeleien über müde Knochen, neue Hüften und andere Senilitäten kommen im Tempo eines Herzschrittmachers – ohne Aussetzer. Die Dosierung stimmt, und auch den Exzess wissen die alten Knacker in gesunden Grenzen zu halten. Daher nimmt der Film ja seinen Anschein von Lebensklugheit, der so filigran zusammengemogelt ist wie der ganze Rest.

Als Amalgam von „Hangover“ und „Das Beste kommt zum Schluss“ leicht zu durchschauen, versorgt er sein Publikum mit Hollywoods Exportschlager seit Jahrzehnten: Viagra für die Seele. Nichts daran ist echt, das Ergebnis oft unbefriedigend, aber es hilft.

Robert de Niro als Mafiaboss

Alle vier Topstars, im Schnitt 70 Jahre jung, sind bester Verfassung. Besonders achtet man auf Robert De Niro, der sich mit solchen Komödien, sagt man, den Ruf ruiniert hat. Und doch ist einem seine Filmfigur am liebsten, schon weil er mit dem ganzen Las-Vegas-Bummel nichts anfangen kann. Als Griesgram vom Dienst bekommt er Essen auf Rädern, aber er braucht noch keine Gehhilfe.

Natürlich kann er noch immer einen Mafiaboss spielen, die Szene ist spitze. Er könnte auch noch einen Boxer spielen, denkt man, und schon schubst er Michael Douglas in den Pool. Das hat man nicht kommen sehen.

Last Vegas USA 2013. Regie: Jon Turteltaub, Drehbuch: Dan Fogelman, Kamera: David Hennings, Darsteller: Michael Douglas, Robert De Niro, Mary Steenburgen u. a.; 105 Minuten, Farbe. FSK o. A.