Robert Metzkes: Kampfhähne, 2020. Terrakotta, engobiert, 42 x 55 x 21 cm.
Foto: Galerie Sandau &Leo/Bernd Borchardt

BerlinPierrot, in seinem weißen Anzug mit Halskrause, begrüßt am Eingang die Besucher mit einer pathetischen Verbeugung. Fast fünf Wochen musste er auf seinen Auftritt warten. Die Galerie hatte wie alle anderen Kunstorte geschlossen, die Ausstellung musste verschoben werden. Nun ist ab 30. April wieder offen, und der aus gebranntem Ton, dem Stoff der Erde, fast lebensgroß geformte Mime aus der „Menschlichen Komödie“, wie der Berliner Bildhauer Robert Metzkes sie seit Jahren aufführt, scheint diese freundlich-dankbare Geste zu machen – dafür, dass wir ihm gesund und munter einen Besuch abstatten. Ebenso den Harlekins, Pulcinellas, den tanzenden Columbines. Und den anmutigen, ganz heutigen Mädchen und Frauen. 

Robert Metzkes, 66, Sohn des Malers Harald Metzkes und seit Jahrzehnten mit seinen farbigen Terrakotta-Figuren korrespondierend mit dem Bildpersonal der Commedia dell’ Arte des berühmten Vaters, setzt seine neuen bemalten Plastiken in einen stummen, aber intensiven Dialog. Da wird posiert und kokettiert, antichambriert, gerangelt, intrigiert. Das Ewigtypisch-Menschliche eben. Dann aber sitzen oder stehen sie ja doch Seite an Seite oder Rücken an Rücken, um sich gegenseitig zu stützen: Mann und Frau, Jung und Alt. Es entstehen, vor dazugehörigen Zeichnungen des Bildhauers an der Wand, lauter kleine Szenen, von allen Seiten erlebbar. Als stummes Figuren-Theater.

„Sitzender Harlekin“ und „Sitzende im kurzen Kleid“, 2018.
Foto: Galerie Sandau & Leo/Bernd Borchardt

Auch Robert Metzkes - mit eindrucksvollen Terrakotta-Arbeiten eine Ausnahmeerscheinung unter den klassischen Berliner Bildhauern, die vornehmlich in Stein, Bronze, Holz oder Eisenguss arbeiten - findet für seine Charakter-Gestalten im Rückgriff aufs Stegreifpossenspiel des 16. bis 18. Jahrhunderts den gleichnishaften Rahmen. Auch seine tönernen, in alter Engobe-Technik eingefärbten Gaukler, burlesken Mimen und lebensnahen Mädchen- und Frauen-Figuren führen die ewige menschliche Komödie auf: diesen wechselvollen Reigen der Illusionen und Desillusionen, hinter dem sich alles um Wahrheit und Lüge, um Glück und Unglück, Liebe, Hass und Verrat, um Leben und Tod dreht. Und um Einsamkeit und Zweisamkeit.

Ein ganz neue und so nachdenkliche wie heiter stimmende Werkgruppe sind die „Kampfhähne“, zwei aggressive Typen, die von ihren Frauen daran gehindert werden, einander wehzutun. Der Bildhauer verrät seine Liebe zur Komödie, zur Groteske. Und zur Metapher. Das Harlekin-Kostüm mit dem typischen Rhomben-Muster, das auch Picasso so liebte, erzählt vom Narren-Los des Künstlers zu jeder Zeit.

Robert Metzkes: Szenarium, Galerie Sandau & Leo, Tucholskystr. 38. Wieder offen für Publikumsverkehr mit Abstand ab 30. April, Di–Sa 12–18 Uhr. Bis 18. Juli.