Zu den markantesten Merkmalen seiner Biografie gehört eine frühe Begegnung mit der legendären Josephine Baker. Roberto Zerquera Blanco war noch keine 20 Jahre alt, als er in Wiesbaden bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung als Sänger auftrat. Baker, so erzählt es Roberto Blanco heute gern, war im Publikum und engagierte ihn von der Bühne weg für ihre gerade beginnende Deutschland-Tournee.

Ein Glückskind also, das mühelos den Weg ins Showgeschäft der westdeutschen Nachkriegsjahre fand? Tatsächlich war es Roberto Blanco von klein auf gewohnt, als Exot wahrgenommen zu werden, keineswegs nur aufgrund seiner Hautfarbe. Als Sohn eines kubanischen Entertainers war er in Beirut als einziger Junge in einem Internat für Mädchen aufgewachsen. Der Vater war häufig auf Tournee, die Mutter gestorben, als der Junge im Säuglingsalter war. Die berühmte Mentorin Josephine Baker war überaus sensibel für schwierige Lebensverhältnisse anderer, in ihrem Haus bei Paris hatte die Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin zwölf Kinder verschiedener Herkunft zu ihrer berühmten Regenbogenfamilie vereint. Was anfangs als pittoresker Farbtupfer ihrer abwechslungsreichen Biografie aufgefasst wurde, entpuppte sich später als wichtiges Element eines lebenslangen Kampfes gegen den alltäglichen Rassismus in den USA, aber auch in Europa.

Für Roberto Blanco indes war es die Bühnenpräsenz des Vaters, die ihn früh mit dem Scheinwerferlicht konfrontierte. Zweifellos war er 1957 wegen seiner Hautfarbe auf die Besetzungsliste des deutschen Kriegsfilms „Der Stern von Afrika“ geraten. Der stammte nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker von Alfred Weidenmann und gilt nicht zuletzt als Durchbruch für die Karrieren von Hansjörg Felmy und Horst Frank.

Das Klischee des Paradiesvogels

Es wäre naheliegend, die Gesangskarriere Roberto Blancos im Lichte eines gesellschaftlichen Unterhaltungsbedürfnisses zu betrachten, das Ende der 60er-Jahre reif zu sein schien für einen schwarzen Spaßmacher. Tatsächlich war es wohl seine ungestüme Unbekümmertheit, die Roberto Blanco 1969 mit dem Lied „Heute so, morgen so“ als Sieger aus den Deutschen-Schlager-Festspielen hervorgehen ließ. Gefeiert wurde dabei nicht nur der talentierte Sänger, sondern auch eine Phase der Liberalisierung, in der man sich – zumindest in der Unterhaltungsindustrie – zunehmend der gesellschaftlichen Diversität erfreute. Roberto Blanco, der auf seinen Auslandstourneen größere Jazz- und Swing-Anteile in sein Programm aufnahm, bediente für Jahrzehnte das Klischee eines Schlager-Paradiesvogels, der schließlich auch in seinen Alltagsgewohnheiten sowie kleinen Skandalen als typisch deutsch wahrgenommen wurde. Als er sich politisch zur CDU bekannte, blieb davon vor allem die witzige Formulierung haften: „Wir Schwarzen müssen zusammenhalten.“ Und so sang Roberto Blanco über ein halbes Jahrhundert vom „Puppenspieler von Mexiko“ und propagierte die bundesdeutsche Zwangsbelustigung: „Ein bisschen Spaß muss sein.“

Ausflüge in ambitionierte Genres verkniff Roberto Blanco sich weitgehend. Zuletzt trat er 2021 in der österreichischen Ausgabe der TV-Show „The Masked Singer“ als Germknödel auf. Von da war es nicht weit zur Mitwirkung an Gemeinschaftsvideos der Toten Hosen und Marteria: „Scheiß Wessis“ und „Scheiß Ossis“. Ein bisschen Spaß eben, jetzt mit 85.