Róisín Murphy bei einem Fotoshooting.
Foto: Adrian Samson

Kann man trotz Corona tanzen? Wenn alle Clubs geschlossen haben? Wenn man sich selbst bei den wenigen stattfindenden Konzerten nicht bewegen darf? Aber ja! Die irische Musikerin Róisín Murphy hat die letzten Monate auf ihren sozialen Netzwerken ziemlich cool demonstriert, wie sich das eigene Wohnzimmer als Dancefloor gestalten und sich darin prima grooven lässt: mit Ventilator, bunten Lichtern und zur Seite geschobenen Möbeln. Dann fehlt nur noch eine Perücke, ein sexy Outfit und es kann losgehen. Bei Murphy heißt es dann etwa zu funkig housigen Disco-Pop-Beats: „It’s Murphy’s law, I’m gonna meet you tonight!“ (zu deutsch: Es ist Murphys Gesetz, ich treffe dich heute Abend!)

Ja, die einstige Moloko-Frontsängerin weiß, wie es sich schwingen und singen lässt – ihr neues und zugleich fünftes Studioalbum „Róisín Machine“ bietet dafür den idealen Soundtrack. Die 47-Jährige hat es geschafft, mit jedem der darauf enthaltenen zehn Songs für einen kleinen Hit zu sorgen: „Something More“ baut sich herrlich langsam in ein treibendes Tanzstück auf, der Sound für die schüchternen Hobby-Dancer, die zu Hause auch die Zeit zum Üben brauchen – während „Jealousy“ die große Nummer für die wilden Disco-Banger ist, die sich nach Glitzer, Ektase, dröhnenden Bässen und endlosen Nächten sehnen.

Róisín Murphys Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt

Die Musikerin begann bereits vor zehn Jahren mit „Róisín Machine“. Ihr Kumpel und Produzent Richard Barratt, auch bekannt unter den Namen „Crooked Man“ und „DJ Parrot“, half ihr dabei. Die Idee soll gewesen sein, eine zeitlose House-Platte aufzunehmen. Das Lustige daran: Barratt hatte lange keinen Club mehr betreten. Die Discokugel, die vibrierenden Bässe und der Glamour fanden somit alle in seinem Kopf – oder in Murphys Wohnzimmer – statt. Ein Grund womöglich, warum das Album stellenweise auch an die schillernde Disco-Ära zwischen 1970 und 1980 erinnert, was Murphy auf dem Cover mit Netzshirt und Powerlocken passend demonstriert.

Verwunderlich mag hingegen sein, dass das Album zunächst keine Plattenfirma veröffentlichen wollte. War es zu retro? Zu poppig? Was auch immer der Grund gewesen sein mag, es ist gut, dass das Werk nun erscheint. Denn sonst hätte die Popwelt verpasst, wie Murphy es nach ihren letzten Platten schafft, den Dance-Sound von Moloko und den Art-Pop ihrer Soloplatten in „Róisín Machine“ auf eine neue Ebene zu heben: Sound, Melodien, Gesang,  Zeilen, alles stimmt. Wenn Murphy in „Murphy’s law“ singt, dass ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist, dann ist das richtig. Das Album wirkt wie ein Aufbruch in eine neue, glitzernde Ära – und dazu muss man tanzen. Corona hin oder her, im Wohnzimmer ist Platz!

Róisín Murphy – „Róisín Machine“ (Skint Records / Warner Music)  erscheint am 2. Oktober