Rom - Freund Jonas liegt mir seit Jahren damit im Ohr, dass ich aufhören solle, Mails zu schreiben. Das wäre unmodern. Ich würde vereinsamen. Man telefoniert heutzutage mit Bildkontakt, sieht sich beim Sprechen zu. Das ist gut, antworte ich seit Jahren und meine damit, ist gut für jeden, der es braucht. Jonas lebt auf dem Land und ist ordentlich verquatscht. Da braucht er das. Ich treibe mich in Rom herum, rufe Orte, Plätze, Bauten an, führe mit ihnen Telefonate, rede nicht selbst, sehe hin, höre zu, lasse sie reden. Und freue mich dann aber auch auf meine stille Schreibbude, den Stuhl, die Bücherecke, die kleine, feine Jazzmusik. 

Nach außen hin bin ich verstummt, wirke einsam, allein. In meinem Inneren aber redet alles durcheinander. Mir kommen spinnerte Ideen. Lass gut sein, guter Freund, schreibe ich in meiner Mail an Jonas. Telefonieren wird nie mein Ding sein. Werde ich angerufen, erwischt mich das Telefonat im falschen Moment auf dem falschen Ohr. Ich fühle mich genötigt. Ich bin sofort maulfaul. Ich frage mich dauern nur, wie lange es noch dauern wird?

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