Rom - Ich bin da auf Abwegen hineingeraten. An allen Wachposten vorbei. Das lag wohl daran, dass ich auf einem Drahtesel saß und einfach durchfuhr. Ein kleines Klappfahrrad aus den Siebzigern. Beim Trödler gekauft. Ich stellte mein Rad ab, ging umher, gehörte dazu. Da waren sie alle fein versammelt. Die Pferde. In ihren Buchten. Manche schauten mit dem Kopf hinaus, wie man es von Filmen her kennt, die auf Pferdehöfen spielen.

Ich sah im Rom-Nachrichten-Blog einen Beitrag. Springreitturnier im Borghese-Park. Und schwang mich auf mein Rad, radelte hin, landete in diesem tollen Nebenbereich. Stand vor einer Pferdedusche. Hier werden Pferde pitschnass gemacht, eingeseift, abgerubbelt, weil sie es selber nicht können, Hufe haben, wo bei uns die Hände sind.

Auf kleinen Feldern übten Reiter mit ihren Rössern, ritten sie ein oder aus. So ein Fachkerl, es zu sehen, bin ich nicht. Reicht mir, wenn ich etwas sehe und mir dazu etwas denke. Muss nicht gesagt bekommen, wie es sich wirklich verhält. Verlass mich auf meine Fantasie. Und die enttäuscht mich nie. Und war da richtig gut auf den Parkplatz der Giganten gelandet. Riesige Apparaturen von Transportlastern. Höher als alle Transporter, die ich so kenne. Und mit eckigen Ausstülpungen versehen. Könnten sich große Superaquarien drinnen befinden. Mit Populationen Seepferdchen versehen. Für den Zeitvertreib. Dass die Pferde was zum Angucken haben hier und unterwegs. Damit sie besser einschlafen. Wie ich bei Fußballländerspielen.

Toll angemalt die Transportställe. Edle Farbtöne über große Seitenflächen aufgebracht. Kobaltblau, Softlila, Hochglanzbeige. Wunderbare Wellenlinie. Stilisierte Pferdeköpfe. Schriftzüge. Daten, Erfolge, Pokale. Wie fahrende Visitenkarten. Ich kam zu einem Sandplatz, spazierte auf eine Terrasse mit Schirmen und kleinen Ständen zu. Eis, Bockwurst wie daheim. Nur dass da ständig junge Männer in königsblauen Polohemden mit Besen bewaffnet um mich herum fegten, mich mal von rechts, mal von links zur Seite baten.

Das Holz war fugenglatt ausgelegt. Es glänzte wie schwitzende Pferderücken. Sand, den sie meinten hier wegfegen zu müssen, können nur die Vögel aus ihren Schnäbeln fallen lassen. Doch die Kadetten fegten, bis es mir zu viel damit wurde und ich abzog mit dem Glas in der Faust.

Und schwang mich auf meinen Drahtesel, fuhr vom Sandplatz zum Grün herüber. Konnte dort kostenlos herumlaufen, mir einen Platz am Zuschauerhang erwählen und den Champions zusehen. Nicht viel größer die Pferde als vorher auf dem Sandplatz. Nicht viel weniger hergerichtet. So mit geflochtenen Zöpfchen, Schleifen im Haar. Auch das auf den Pferden sitzende Personal sah nicht anders aus. Die Hindernisse bildeten den Unterschied. Hier reichten sie den Springpferden bis über die Ohren. Und sie nahmen sie samt Reiter und Sattel.

Eine Frau, so wurde mir erklärt, die den Hengst von Beginn an falsch geführt habe, rammelte an einem Doppel alles nieder, was an Balken zum Einsturz zu bringen war. Das Publikum schrie entsetzt auf. Der Ansager verhaspelte sich. Italien war aus dem Rennen. Das Stechen entschied Belgien gegen Deutschland. Puh, dachte ich. Hier ist ja ordentlich was los, wo ich nur ständig „Spring liebes Pferdchen du, spring mir nicht auf meine Schuh“ sang.