Dieser Film tut weh. Er zeigt Gewalt, die nicht mit Fäusten verübt wird. Es ist eine subtilere, aber nicht weniger grausame Grenzüberschreitung, vor der niemand gefeit ist. Nicht einmal – oder gerade nicht – in dem vermeintlichen Schutzraum Familie, wo mit der Geburt eines Kindes ein klares Machtverhältnis entsteht, das allzuleicht missbraucht werden kann und wird. Rosa von Praunheim erzählt in „Härte“ von einem solchen Jungen, dessen Eltern ihn für ihre Bedürfnisse oder Perversitäten benutzen.

Praunheim wäre aber nicht Praunheim, wenn er in dem an Tabus reichen Feld nicht ein besonders beschwiegenes Kapitel aufschlüge. „Härte“ erzählt die Lebensgeschichte des einstigen Berliner Zuhälters Andreas Marquardt. In dessen Leben war nicht der brutale Vater der wahre Seelenzerstörer. Es war die Mutter, die ihren Sohn vom sechsten Lebensjahr an zum persönlichen Sexsklaven heranzieht. Erst langsam, mit kleinen Zärtlichkeiten, Streicheleinheiten, die der Junge anfangs gern über sich ergehen lässt. Wie soll es ein Sechsjähriger auch besser wissen? Mit den Jahren wird die Mutter deutlicher, werden die Wünsche direkter, bis der Zwölfjährige zum Liebhaber wird. Er schämt sich, doch die Mutter droht: „Dein Schwanz gehört mir!“

Der Zuschauer kann nicht fliehen. Die Kamera setzt ihn in die Perspektive des Kindes, vor dem sich der lüsterne Frauenkörper (großartig: Luise Heyer) windet. Der Sohn wird stöhnend zu immer neuen Handreichungen ermuntert. Praunheim inszeniert die Rückblicke in Marquardts Leben in theaterähnlichen Kulissen in Schwarz-Weiß. Es sind Kammerspiele der sozialen Verrohung. Sie enden ihrerseits in Brutalität und Menschenverachtung. Andreas Marquardt (eindringlich: Hanno Koffler) wurde Zuhälter, war für seine Brutalität berüchtigt, quälte seine Nutten. Das streift der Film nur. Marquardt interessiert Praunheim als Opfer, nicht als Täter.

In diesem Spielfilm-Hybrid kommt Andreas Marquardt auch selbst zu Wort. Jahrzehnte hat er geschwiegen, jetzt redet er. Die Courage des Mannes ist bewundernswert, legt er doch intimste Details offen. Er will denen Mut machen, die Ähnliches erleiden. Ihr seid nicht allein, ist Marquardts Botschaft, der heute Kinder in Karate unterrichtet. Sie sollen sich zu Persönlichkeiten entwickeln, die Respekt, aber keine Angst vor Erwachsenen haben. „Nur so können wir sie vor Gewalt schützen und sie bestärken, wenn nötig Nein zu sagen“, sagt Marquardt. Eine starke Botschaft.

Härte: 6. 2.: 21.30 Uhr, Zoo Palast 1; 7.2.: 12.30 Uhr, CinemaxX 7; 8.2.: 14.30 Uhr, Cubix 9; 12.2.: 18.30 Uhr, Neues Off; 14.2.: 22.30 Uhr, Colosseum 1.