Rototom Sunsplash Festival: Jüdischer Musiker Matisyahu wieder eingeladen

Das Rototom Sunsplash Festival ist eine altehrwürdige, europäische Reggae-Institution. In diesen Tagen feiert das weltweit größte Reggae-Festival, das alljährlich an der spanischen Ostküste stattfindet, seinen 22. Geburtstag. Und auch in seiner neuen Ausgabe verkörpert es jene krude Mischung aus Afrika-Begeisterung, Antiimperialismus und Esoterik, die man in Fan-Kreisen immer wieder antrifft.

Neben dem für ein Reggae-Musikfestival obligatorischen Musikprogramm können sich die Besucher des Rototoms auch an einem umfangreichen Kulturprogramm beteiligen; im Rahmen des „Sozialforums“ findet beispielsweise eine Diskussion über die Gefährdung der Menschheit durch Chemtrails statt – jene Giftstreifen, die nur von der Lügenpresse indoktrinierte Erdenbürger für stinknormale Kondensstreifen halten.

In diesem Jahr läuft das Festival unter dem Motto „Peace Revolution“. Dass jüdische oder israelische Musiker an einer Friedensrevolution besser nicht teilnehmen sollten, weil sie qua Religion beziehungsweise Staatszugehörigkeit Unterstützer eines Regimes sind, das Kritiker mit der Apartheid vergleichen, hätte den Rototom-Veranstaltern, die sich seit jeher als pro-palästinensisch verstehen, eigentlich klar sein müssen – seltsam, dass sie mit Matisyahu überhaupt einen jüdischen Reggae-Sänger eingeladen haben. Matisyahu, mit bürgerlichem Namen Matthew Paul Miller, gilt als der Erfinder des chassidischen Reggae. Vor drei Wochen eröffnete er in Berlin gemeinsam mit dem Sänger Adel Tawil die European Maccabi Games.

Kein Auftritt für Matisyahu

Wie gut, dass es die Aktivisten der israelkritischen Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) sowie zuverlässig anti-israelische Reggae-Künstler gibt, die die anscheinend nicht mehr ganz so gesinnungsfesten Veranstalter nun an ihre pro-palästinensischen Prinzipien erinnerten! Spanischen Medienberichten zufolge forderten sie die Festival-Veranstalter dazu auf, Matisyahus Auftritt abzusagen, da der jüdische Sänger – obwohl er US-Bürger ist – Israel repräsentiere.

Die Veranstalter forderten daraufhin eine Erklärung von Matisyahu, in der er sich gegen den Krieg und für das Existenzrecht Palästinas aussprechen sollte. Da der Sänger den Gesinnungstest verweigerte, cancelten die Veranstalter seinen Auftritt. Zunächst.

Mittlerweile haben die Rototom-Macher den jüdischen Reggae-Sänger wieder eingeladen, vermutlich wegen der internationalen Kritik an der Ausladung Matisyahus: Die jüdische Gemeinde Spaniens, der jüdische Weltkongress und die US-Botschaft in Madrid hatten gegen die Entscheidung der Veranstalter protestiert.

Auf der Festival-Website erklärten die Veranstalter, dass sie jede Form des Antisemitismus ablehnten und baten Matisyahu öffentlich um Entschuldigung. Lokale BDS-Aktivisten hätten sie unter Druck gesetzt. Der normale Ablauf des Festivals sei bedroht gewesen. Die Linksparteien Podemos und Vereinigte Linke hatten die Ausladung des Musikers begrüßt. Matisyahu hat sich bisher nicht zu der Erklärung geäußert.