Bevor man über den Hype um das britische Gitarrenrockduo Royal Blood die Nase rümpft, sollte man zunächst eins berücksichtigen: Die Gitarre ist ein Bass. Im Liveauftritt führt das zu einem lustigen, auch leicht verwirrenden Novelty-Effekt. Auf dem soeben erschienenen Debütalbum fällt das beim ersten Hören nicht weiter auf. Und natürlich dachte man auch am Montagabend im Privatclub, wo Royal Blood in einem dreiviertelstündigen Radiokonzert die zehn Songs des Albums spielten, ständig an Großrockduos wie die White Stripes und Black Keys – aber der schwere, jaulende, brummende und hackende Lärm kam tatsächlich nur von vier Saiten, und Mike Kerr gab zwar einen kreglen Frontmann, aber er bewegte sich mit dem langhalsigen Instrument doch etwas wiegender und erdschwerer als ein Gitarrist.

Den Bass wiederum bespannt er angeblich auch mit Gitarrensaiten, was vielleicht die eindrucksvoll geschmeidige Fülle des Sounds erklärt; andererseits hängt das Instrument an einer Reihe von Pedalen, deren Art und Anordnung die Band wie ein alchemistisches Geheimnis hütet. Weniger mysteriös stammt der elefantöse Druck untenrum von den effektvoll, aber nicht ausladend bestückten Drums.

Ben Thatcher ist HipHop-Fan und nennt neben Rockern wie Dave Grohl auch Justin Timberlake und Jay-Z-Drummer Tony Royster als Wegweiser. An den meist sehr eindeutigen Rockrhythmen kann man das nicht wirklich festmachen. Nur manchmal erkennt man es auch live sehr schön an ein paar stumpf gestutzten Breaks. Vor allem jedoch sorgen die nichtlineare Dynamik und Aussparungen in den mittleren Registern zugunsten von dunkleren Trommeln und mächtig zischenden Becken für einen unerwartet federnden, athletischen Groove.

Anders gesagt haben sich die beiden Mittzwanziger offenbar sehr gründlich Gedanken darüber gemacht, wie man mit einer aufs absolute Grundgerüst abgespeckten Besetzung einen Klang schafft, der auch über 45.000 Leute hinwegbrettert. So geschehen kürzlich im Vorprogramm der Arctic Monkeys, die schon im letzten Jahr prominent die Werbetrommel für Kerr und Thatcher gerührt hatten. Zum Jahreswechsel wurden sie als einziger Rockact im 2014er Ausblick der BBC notiert – eine treffsichere Prognose, wie sich an der Nominierung für den Mercury Prize ebenso ablesen lässt wie dem Spitzenplatz in den UK-Charts.

Nach dem famosem, umstandslosen Auftritt kann man das leicht verstehen. Die Wurzeln ihrer Musik lassen sich zwar problemlos zwischen bluesinfizierten Led Zeppelin und metallischer orientierten Black Sabbath entziffern. Im schmierig verzerrten Ziehen der Saiten erkennt man ein solides Grunge-Motiv, und Kerrs heulende Stimme erinnert öfter an Jack White. Aber wie Royal Blood all dies nur dazu benutzen, um ihre klotzförmige Wucht von innen her wild und präsent zu bewegen, das klingt schon sehr unerhört und neu.