Der Musiker Rufus Wainwright ist zurück.
Foto: Tony Hauser

Rufus Wainwright hat schon immer seinen eigenen Kopf gehabt. Fast 20 Jahre seiner Karriere hat der kanadisch-amerikanische Musiker damit verbracht, die typischen Strukturen und Gepflogenheiten der Pop-Welt zu ignorieren, um seinen eigenen Weg zu finden. Während er in der einen Minute wie ein großer Dichter klingen kann, ist er in der anderen herrlich authentisch – und oft auch überraschend. Wer hätte zu Beginn seiner Karriere etwa gedacht, dass der Singer-Songwriter mal Opern aufnehmen und ein Album mit Shakespeare-Sonetten veröffentlichen würde. Doch so ist Wainwright. Und so wundert es auch nicht, dass sein erstes Werk nach acht Jahren den schönen Titel „Unfollow The Rules“ trägt.

Mit zwölf Liedern knüpft der mittlerweile 46-Jährige dort an, wo er zuletzt bei der Platte „Out of the Game“ aufgehört hatte: clevere Popmusik, die sich mal in Folk, mal in Swing und mal in Klassik wenden kann. „You Ain’t Big“ schwingt etwa zwischen Country, Blues und Folk, wozu Wainwright darüber philosophiert, dass man erst im Leben etwas erreicht hat, wenn man es in Alabama geschafft hat – oder in Mississippi oder in Carolina. Ein Song für eine lange Autobahnfahrt durch die Staaten, der so schön vorbeizieht wie die Landschaften selbst. In„Hatred“ hingegen spielt er am Klavier, wozu er ergreifend über Schmerz und innere Dämonen sinniert, bis ihn Streicher erlösen und er inbrünstig singt: „I’m gonna get myself away“. Er macht sich nun auf, in eine bessere Welt ...

„Unfollow The Rules“ klingt fröhlicher als die Vorgängeralben

Im Gegensatz zu seinen Alben „Want One“ (2003) und „Want Two“ (2004), die von seiner Drogensucht geprägt waren, ist „Unfollow The Rules“ ein deutlich fröhlicheres Album geworden. In Interviews ließ er denn auch verlauten, dass er nun insgesamt ein glücklicherer Mensch sei.

Geschrieben hatte Rufus Wainwright die Songs während seines Pop-Exils, als er sich 2018 auf seine Oper „Hadrian“ konzentrierte. Das Alter hätte ihn dort genauso beschäftigt wie Freundschaften und seine gleichgeschlechtliche Ehe. Doch auch negative Eindrücke, wie etwa der Tod von Leonard Cohen, dem Großvater seiner Tochter, hat er darauf verarbeitet. In Stücken wie „Hatred“ oder auch dem düsteren „Early Morning Madness“ zeigt sich dies gut. Und immer geht es ihm natürlich auch um ein bisschen Ahnenpflege. „Als wir damit ins Studio gingen, war Leonard gestorben, ich war tief in meiner Randy-Newman-Phase und bei Burt Bacharach – alle drei so großartige Songwriter. Es wäre ein Verbrechen gewesen, wenn ich nicht zumindest versucht hätte, diese Tradition fortzusetzen.“

Das neue Material ist jedenfalls ambitioniert genug, um an die Idole anzuknüpfen. Gerade weil Wainwright dabei seine eigenen Regeln befolgt.

Rufus Wainwright – Unfollow The Rules (Bmg/ Warner)