BerlinIch erinnere mich noch genau, wie ich am Wochenende um halb sechs schon zu Hause auf dem Sofa lag und das Testbild anstarrte. Ich konnte es kaum erwarten, dass um sechs Uhr abends die Sesamstraße begann. Es war die Zeit, als es nur ARD und ZDF gab, und sie sendeten auch nicht rund um die Uhr. Das DDR-Fernsehen wurde in meiner Familie selten geschaut, höchstens zu Weihnachten, wenn die tschechischen Märchenfilme liefen, wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Ansonsten lebten wir abends im Westen, wie der Schriftsteller Florian Havemann neulich treffend das Leben vieler DDR-Bürger beschrieb. Meine Eltern verpassten kein „Kennzeichen D“, keinen „Presseclub“.  Wenn man wissen wollte, was in der DDR los war, guckte man Westfernsehen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Beziehung zu den Öffentlich-Rechtlichen geändert. Das hat etwas damit zu tun, dass das klassische Fernsehen generell mehr Konkurrenz hat. Aber auch etwas damit, wie die DDR und Ostdeutschland im Fernsehen vorkommen, personell und inhaltlich. Die Krise zwischen den Ostdeutschen und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zeigte sich symptomatisch an dem Streit um den Rundfunkbeitrag in Sachsen-Anhalt.  Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) trifft den Nerv vieler, wenn er sagt, dass ARD und ZDF in vielerlei Hinsicht Westfernsehen geblieben und nicht im vereinigten Deutschland angekommen sind. 

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