Russland: Berliner Elektro-Club "Wilde Renate" feiert in Moskau

Moskau - Über eine provisorische Holztreppe geht es einen Meter hinab auf die vibrierenden Dielen. Die Tanzfläche wirkt wie ein ausgehobener Graben, die Leute drehen und biegen sich. Rot-blau-gelbe Lichtkegel erleuchten rhythmisch das Dunkel. Über den wogenden Körpern ein Wellblechdach, um sie herum Beton, zugehängte Wände, eine Bar und ein paar Sessel. „Yeaaah, ihr Berliner“, schreit jemand und stampft weiter zum Techno-Beat. Der dröhnt hinein in eine Häuserbrache unweit einer der mächtigen Ringautobahnen, die durch Moskau führen. Ein Großteil der DJs, die sonst im Berliner Elektronikclub „Salon zur wilden Renate“ am Ostkreuz auflegt, hat Freitagnacht ein Stück Friedrichshain in die russische Mega-Metropole gebracht.

Mit dabei „Peak & Swift“, eine absolute Renate-Institution, außerdem Michal Zietara, Samanta Fox und Sebastian Voigt. Als Einzelkünstler waren einige schon oft in Russlands Feierszene unterwegs. Erstmals aber, sagt Swift, seien sie nun fast komplett hier. Zur selben Zeit am selben Ort als „Wilde Renate Showcase Moscow“. Es ist zwei Uhr, die Party in vollem Gange, während der Regen endgültig von dieser Nacht abgelassen hat.

Berliner Club-Feeling in Moskau

Als Salina Ramasanowa ein paar Stunden zuvor ankam, wäre sie beinah wieder gegangen. Der neue Laden, das „Krugosor“, er klang einladend. Das Wetter war Mist. Der Club ist weitgehend unter freiem Himmel und könnte so ähnlich auch mitten in Berlin sein. Hergerichtet für diesen einen Sommer mit Pflanzenkübeln in Holzoptik, Schalenstühlen in Rot, flachen Kneipentischen, Sofas und ausrangierten Lederkissen. Nur die beiden Tanzflächen sind überdacht, angelegt in den Resten von Wänden und Behausungen eines verlassenen freiliegenden Hinterhofes, der einmal Papierlager und Teil des einst sowjetischen Verlags „Prawda“ war. Der war Heimat des Schallplattenheftes „Krugosor“, das seit den 1960er Jahren in der Sowjetunion vertrieben wurde und in wohldosierten Mengen auch westliche Musik hinter den Eisernen Vorhang brachte. Hier, im gleichnamigen Club, verschmilzt in diesen Stunden das Nachtleben aus Moskau und Berlin – in das sich die 28-jährige Salina mit ihrer Freundin Lisa Dbar nach einer Runde Kickern dann doch vergnügt hineinwirft.