BerlinLesern kann es im Grunde egal sein, in welchem Verlag ein Buch erscheint, Hauptsache, es lässt sich im Buchhandel erwerben. Einem Autor ist das weniger gleichgültig, denn es knüpfen sich Sorgfalt dem Manuskript gegenüber, Aufmerksamkeit über Werbung und Presse, die Akzeptanz im Buchhandel und natürlich das Geld daran. Als Monika Maron 1980 für ihren ersten Roman einen Verlag suchte, fand sie ihn nicht in dem Staat, in dem sie lebte und in dem die Geschichte angesiedelt war, in der DDR. Der S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main druckte den Roman „Flugasche“.

Die Autorin blieb noch ein paar Jahre in Pankow wohnen, bis sie den Staat, der ihre Texte ohnehin nicht wollte, verließ. Als sie in den Westen kam, führte sie gerade einen öffentlichen Briefwechsel mit dem Münchener Schriftsteller Joseph von Westphalen im Zeit-Magazin, sie war prominent. Zwar musste sie sich in Hamburg eine Wohnung suchen, doch ein Zuhause hatte sie bereits – den Verlag, der nach „Flugasche“ bereits zwei weitere Bücher von ihr veröffentlicht hatte und bald darauf auch die deutsch-deutschen Briefe in Buchform herausbrachte.

Ausflug zu einem Verlag mit neurechtem Umfeld 

Monika Maron, die seit Anfang der 90er-Jahre wieder in Berlin beziehungsweise in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern wohnt, ist nun das Verhältnis mit dem Verlag, der seit vierzig Jahren ihre Bücher herausbringt, gekündigt worden. Der Bayerische Rundfunk erwähnt ein „aufsehenerregendes Interview“, in dem Maron dies bekanntgegeben hätte, bezieht sich auf ein an diesem Wochenende in der Zeitung Welt am Sonntag erschienenes Gespräch mit der Autorin. Die Gründe für die Trennung könne sie nur vermuten, sagt sie da.

Auf Nachfrage erzählt Monika Maron am Telefon, ihr Lektor habe ihr im Auftrag der Verlegerin Siv Bublitz mitteilen sollen, dass es im S. Fischer Verlag kein neues Buch von ihr geben werde. Sie sei „politisch unberechenbar“.

Der Vorgang hat einen Vorlauf, über den schon in der Berliner Zeitung zu lesen war. Monika Maron hatte im Frühjahr dieses Jahres ein Buch mit Essays unter dem Titel „Krumme Gestalten, vom Wind gebissen“ veröffentlicht, allerdings nicht in ihrem Hausverlag S. Fischer, sondern in der Edition Buchhaus Loschwitz unter dem Reihentitel „Exil“. Vertrieben werden diese Bücher von der Buchhändlerin Susanne Dagen über den Antaios Verlag. Dessen politische Positionierung ist eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen, der Gründer Götz Kubitschek ist nicht nur ein enger Vertrauter des AfD-Mannes Björn Höcke, sein „Institut für Staatspolitik“ ist vom Verfassungsschutz wegen „Anhaltspunkten für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ als Verdachtsfall eingestuft worden.

Als meine Kollegin Anja Reich und ich im Sommer zum Interview zu Monika Maron fuhren, befragten wir sie auch zu diesem Buch. Wir wollten wissen, warum sie sich damit in neurechtes Umfeld begeben hatte. Monika Maron sagte dazu: Ich war mit dem Titel ,Exil‘ nicht glücklich, ich bin ja nicht im Exil. Dem vorausgegangen war, dass ich meinem Verlag S. Fischer gesagt habe, ich hätte zu meinem 80. Geburtstag im nächsten Jahr gern eine Veröffentlichung, ob sie nach zehn Jahren nicht wieder mal einen Essayband machen wollten. Das wollten sie nicht. Und dann kam Susanne Dagen und fragte: Monika, hast du nicht was? So war das.“

Wir setzten nach und fragten, ob es nicht besser wäre, sich von Dagen abzugrenzen. Sie antwortete: „Ich grenze mich grundsätzlich nicht von Freunden ab, nur weil wir vielleicht unterschiedlicher Meinung sind. Und warum von Susanne? Sie ist eine Oppositionelle mit einem leidenschaftlichen Sinn für Gerechtigkeit. Sie sitzt für die Freien Wähler im Dresdener Stadtrat, war mehrfach ,Beste Buchhändlerin‘. An ihrem Aufruf, die Stände rechter Verlage auf der Buchmesse nicht zu zerstören, kann ich nichts Falsches finden. Es gibt auch radikale islamistische Stände auf der Messe, die werden auch nicht angegriffen. Offenbar gilt inzwischen jeder als rechts, der nicht links ist.“

Eindeutige Botschaft der S.-Fischer-Verlegerin

Bei einem Anruf im S. Fischer Verlag hieß es, dass die Verlegerin keine Interviews gebe. Am späteren Montagnachmittag schickte die Presseabteilung jedoch eine Erklärung mit dem Titel „Betr.: Monika Maron“. Darin heißt es, „über die Gründe, der Autorin über die bestehenden Verträge und einen für 2021 geplanten Essayband hinaus keine neuen Buchverträge anzubieten, gab es in den vergangenen Monaten einen intensiven Austausch zwischen Dr. Siv Bublitz, der Verlegerischen Geschäftsführerin der S. Fischer Verlage, und der Autorin beziehungsweise ihrer Agentur“. Die Verlegerin selbst wird mit einem knappen Satz zitiert: „Man kann nicht bei S. Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios Verlag kooperiert.“ Weiter wird erklärt, dass Monika Marons bisher im Verlag publizierte Bücher weiterhin im Programm blieben, „wenn es nach dem Wunsch des Verlages geht“. Der Essayband zum 80. Geburtstag der Autorin, der bereits in der Frühjahrsvorschau angekündigt ist, werde wie geplant erscheinen.

Die Autorin allerdings sagt nun wiederum nach einem Rückruf, keinen Vertrag für dieses Buch unterschrieben zu haben.

Anfang August war Monika Marons Roman „Artur Lanz“ bei S. Fischer erschienen. Darin geht es um die Möglichkeiten von Heldentum in der Gegenwart. Eine Kernfrage ist, dass es möglich sein muss, miteinander auszukommen, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Nun kann der S. Fischer Verlag, so sieht es aus, die Meinung seiner Autorin nicht mehr aushalten.