In einem dieser für Talkshows oft unvermeidlichen Fragenergänzungsspiele nannte Sabine Schormann als Lieblingsmusiker Beethoven und als kleine Schwäche das Naschen. Als Vorbilder bezeichnete sie Menschen, die sich auch unter Druck für andere einsetzen und unsere Werte hochhalten. Gefragt wurde die 1962 im hessischen Bad Homburg geborene Kulturmanagerin in der Sendung, die anlässlich ihrer Berufung zur Generaldirektorin der Documenta 2018 aufgenommen wurde, auch nach ihrer wichtigsten Eigenschaft. Das sei Beharrlichkeit, sagte sie bestimmt, eine Fähigkeit, die sie in den zurückliegenden Monaten mehrfach unter Beweis gestellt hat.

Im Sturm der Vorwürfe, die auf die Documenta und deren künstlerische Leitung, das aus Indonesien stammende Kuratorenkollektiv Ruangrupa, einprasselten, war Sabine Schormann das lächelnde Gesicht der Weltausstellung in Kassel, die wie nie zuvor in ihrer Existenz infrage gestellt worden war.

Die Politisierung hat der Documenta stark zugesetzt

Vordergründig waren der Grund dafür Anschuldigungen, Ruangrupa arbeite mit Akteuren zusammen, die der Organisation BDS nahestehen, die sich den kulturellen Boykott Israels auf die Fahne geschrieben haben. Zur Beharrlichkeit Schormanns gehörte es, all dies barsch zurückzuweisen, der Rückhalt für Ruangrupa schien ihr wichtiger als die behutsame Auseinandersetzung mit der Frage des Zentralrats der Juden in Deutschland, warum diesmal keine jüdischen Künstler auf der Documenta vertreten seien. Tatsächlich aber hat die stark politisierte Diskussion von Themen wie Antisemitismus, Rassismus und Kolonialismus der Documenta derart stark zugesetzt, dass nach den 100 Tagen des Kunstgenusses eine Aufarbeitung dieser Frage dringend geboten scheint: Wie kann sich die Kunstschau insbesondere mit Blick auf die belastete Documenta-Geschichte, die auf ungute Weise in die NS-Zeit zurückreicht, künftig zur zeitgenössischen Kunst und deren Turbulenzen verhalten?

Für Schormann, die einst Ausstellungen für das Frankfurter Goethe-Museum kuratierte und bei der Weltausstellung Expo 2000 Erfahrungen mit einer großen Kulturveranstaltung gesammelt hat, stehen die Zeichen zur nun beginnenden Documenta Fifteen eher nicht auf Kontemplation.