200 Jobs sollen gestrichen werden. Dann hat das Unternehmen, das 1990 noch etwa 1800 Mitarbeiter hatte, nur noch gut 400 Beschäftigte.
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BerlinMit Dingen, die man nicht unbedingt zum Leben braucht, von denen der eine oder andere zuweilen aber doch meint, sie haben zu müssen, kennt sich Georg Nussdorfer aus. 17 Jahre lang war er Marketing-Mann und zuletzt Chefverkäufer beim österreichischen Kristallschleifer und Schmucksteinanbieter Swarovski. Als solcher machte er sich wohl einen Namen. Jedenfalls schien der seinerzeit 45-Jährige genau der richtige Mann zu sein, als 2016 ein neuer Chef für die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen gesucht wurde. Wer Glitzer kann, kann auch Porzellan, meinte man wohl.

In jedem Fall war eine neue Firmenlenkung nötig. Denn die 1710 gegründete und damit älteste Porzellanmanufaktur Europas kämpft seit Jahren mit Millionenverlusten und den Auswirkungen gescheiterter Geschäftsstrategien. So war 2008 Christian Kurtzke mit der Idee in Meißen angetreten, Sachsens Kulturerbe zu einem Großanbieter für Luxusgegenstände aller Art machen. Fortan sollten im Zeichen der blauen Schwerter auch Möbel und Haute Couture vermarktet werden.

Rückendeckung kam dafür vom Aufsichtsratsvorsitzenden und früheren christdemokratischen Landesvater Sachsens, Kurt Biedenkopf. Als jedoch klar wurde, dass dies nur mit millionenschweren Zuschüssen zu finanzieren sein würde, stoppte der Freistaat die Expansion. In der Folge wurde die wirtschaftliche Schieflage des sächsischen Traditionsunternehmens immer deutlicher.

Rote Zahlen und Umsatzrückgänge

Während Kurtzke zu Porsche Design wechselte, trat in Meißen Nussdorfer als Sanierer an und proklamierte die Rückbesinnung auf das Porzellan. Der Erfolg blieb bislang jedoch aus. 2017 lag das Unternehmen fünf Millionen Euro weit im roten Bereich. Parallel gingen die Umsätze zurück. Für das vergangene Jahr war eigentlich ein Umsatz von 50 Millionen Euro angepeilt worden. Tatsächlich standen 38 Millionen Euro in der 2018er-Bilanz. Und seitdem wurde es nicht besser.

Vor wenigen Wochen kündigte die Geschäftsführung um Nussdorfer tiefe Einschnitte an. 200 Jobs sollen gestrichen werden. Dann hat das Unternehmen, das 1990 noch etwa 1800 Mitarbeiter hatte, nur noch gut 400 Beschäftigte. Nussdorfer glaubt weiterhin daran, der Porzellan-Manufaktur zu altem Glanz verhelfen zu können. 2021 soll die älteste Luxusmarke der Welt wieder schwarze Zahlen schreiben.