Tragikomödie hieße es bei einem Film. Weil es aber eine Serie ist, gibt es nun ein anderes kreatives Wort, wie das sechsteilige Werk „MaPa“ von Alex Lindh am besten zu bezeichnen sei. Die Miniserie startete vor einem Jahr beim Streaming-Angebot Joyn+ und ist jetzt noch bis 16. Mai beim öffentlich-rechtlichen Koproduzenten RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) in der ARD-Mediathek zu sehen.

Die Serie beschreibt sich selbst als „Sadcom“, also sad (traurige) comedy – in Anlehnung an das Genre „Sitcom“, das ein Kofferwort aus „situation“ und „comedy“ ist, also Situationskomödie. Es fehlt aber das eingespielte Gelächter im Hintergrund wie es das mal gab. Die Gags sind auch keine Brüller, sondern eher Absurditäten, bei denen geschmunzelt werden kann. Die Kunst der Macher besteht darin, die sich anbahnenden Tränen mit einem Lacher zu stoppen.

„MaPa“ mit Maximilian Mauff in der Hauptrolle dreht sich um die Nöte eines jungen alleinerziehenden Vaters in Berlin, der sich nach dem plötzlichen Tod seiner Freundin allein um Baby Lene kümmert. Als Mama und Papa zugleich muss Metin zwischen dem Windeln wechseln, der anstrengenden Fürsorge von Freunden und seiner Mutter Zeit zum Trauern finden, zwischen dem Kitaplatzorganisieren und Arbeitengehen.

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Das Wort „Sadcom“ gibt es seit einigen Jahren, als Vorreiter gilt die amerikanische Serie „Louie“, als Höhepunkt gilt die britische Serie „Fleabag“ von und mit Phoebe Waller-Bridge. In Fachkreisen gilt das einprägsame Wort „Sadcom“ als PR-Erfindung, aber es lasse sich durchaus gut anwenden auf Dramedy-Serien, die sich komisch mit Trauer auseinandersetzen, wie es Timo Gößler formuliert, der in Potsdam Dozent für Dramaturgie und Serielles Erzählen an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf ist. Dazu zählen kann man auch die Trauer-Serie „After Life“ von und mit Ricky Gervais oder die deutsche Netflix-Serie „Das letzte Wort“ mit Anke Engelke als Witwe und Trauerrednerin.

Als Dramedy bezeichnen Experten wie Gößler Produktionen, die ernste Inhalte mit Humor horizontal (also episodenübergreifend) erzählen. Dabei kann es um Suchterkrankungen, Depressionen oder andere schwere Themen gehen. Beispiele sind „Feel Good“ mit Mae Martin, „End of the Fucking World“ mit Alex Lawther oder „The Mopes“ mit Nora Tschirner. Fürs deutsche Fernsehen reichten lange Zeit wenige Genrebegriffe aus. Etwa Samstagabendshow, Quiz, Krimi, Familienserie, Soap, Mehrteiler oder Arzt- beziehungsweise Krankenhausserie – man denke an „Die Schwarzwaldklinik“, „Der Landarzt“, „Praxis Bülowbogen“, „Für alle Fälle Stefanie“, „Doctor’s Diary“.

In den vergangenen ungefähr 20 Jahren prägten Bewegtbildmacher auch Begriffe wie Castingshow, Reality-TV, Dokusoap, Factual Entertainment, Scripted Reality oder Infotainment. Die SWR-Show „Gottschalk feiert: Nochmal 18!“ mit Thomas Gottschalk und Promigästen nennt sich gar „Timetainment“. Spätestens im Zeitalter der Streaming-Dienste sickern immer mehr differenzierende Begriffe in den allgemeinen Sprachgebrauch.