Was hat Sie bewogen, sich jetzt an Lulu zu wagen?

Ich glaube, die Zeit war einfach reif dafür. Nachdem ich Wolfgang Rihms monologische Oper „Proserpina“ 2009 bei den Schwetzinger Festspielen geschafft und siebzig Minuten ohne Pause auf der Bühne durchgestanden hatte, traute ich mir auch die Lulu zu. Als Jürgen Flimm sie mir anbot und die Konstellation mit Andrea Breth und Daniel Barenboim erwähnte, war ich überglücklich und habe mir gedacht, das ist jetzt wirklich das Allergrößte!

Im Schauspiel zeigt Lulu zumindest zeitweise viel Haut. Kam das auch auf Sie zu?

Nein, keineswegs. Wir erzählen die Geschichte nicht mit Mitteln wie Nacktheit oder Provokation, sondern über Haltungen, Spannungen, Blicke. Alle Personen sind wie durch unsichtbare Fäden miteinander verknüpft. Lulu als männermordende Kindfrau erscheint mir ohnehin bloß wie ein Klischee. Für mich ist sie eher ein armes Wesen, das sein ganzes Leben lang nicht bekommt, wonach es sich eigentlich sehnt – nämlich Geborgenheit und bedingungslose Liebe. Mir geht es immer darum zu zeigen, was die Figur, die ich darstelle, denkt und macht. Andrea Breth half mir sehr, dies auch zu vermitteln. Da vertraute ich ihr total.

Was war das Schwerste für Sie an dieser ohnedies schweren Partie?

Das Auswendiglernen! Gerade die Passagen mit den kurzen Einwürfen, drei Takte singen, fünf Seiten Pause, wieder drei Takte singen – das lernt sich schwerer als zusammenhängende Abschnitte.

Haben Sie sich Ihren Traum von der Sängerlaufbahn erfüllt und suchen jetzt andere Abenteuer?

Aber nein, denn der Traum lebt ja immer weiter. Das ist nicht wie ein Gegenstand, den man gekauft hat, benutzt – und irgendwann ist er nicht mehr so schön für einen. Das Tolle am Künstlerdasein ist ja, dass man immer wieder neue Herausforderungen hat. Ich lebe diesen Traum ja wirklich! Das ist kein betonierter Zustand, sondern etwas ganz Vitales: Ich treffe immer wieder neue Menschen, neue Kollegen, die mir Impulse geben; ich lerne neue Kompositionen für neue Bühnen, reise viel, lerne viel dazu. Deshalb hoffe ich, dass dieser Traum nie enden wird.

Die Fragen stellte Irene Bazinger.

Lulu Staatsoper im Schiller Theater (Bismarckstraße 110), Premiere am 31..März um 19 Uhr. Danach Vorstellungen am 4., 9., 11. sowie am 14..April.

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