Moskau - Finale im Drama am Moskauer Bolschoi Theater: Für vier bis zehn Jahre müssen drei Männer nach dem Schwefelsäure-Attentat auf den Ballettchef Sergej Filin ins Straflager. Der Tänzer Pawel Dmitritschenko wurde elf Monate nach dem Anschlag zu sechs Jahren Straflager verurteilt. Die Richterin Jelena Maksimowa sprach den 29-jährigen Solisten am Dienstag schuldig, das Attentat organisiert zu haben. Der Tänzer hatte sich am Führungsstil seines Chefs gestört.

Eine Lehre erteilen

Der 35 Jahre alte Haupttäter, der Filin mit Säure das Gesicht und die Augen verätzt hatte, muss zehn Jahre in ein Straflager, meldet die Agentur Rapsinews. Ein weiterer Komplize wurde zu vier Jahren verurteilt. Das Verbrechen hatte in der internationalen Kulturszene großes Entsetzen ausgelöst. Richterin Maksimowa warf den drei Tätern vor, eine Bande für den Überfall auf den international angesehenen Filin gebildet zu haben. Eigentlich, so führte sie aus, sei es Dmitritschenko wegen dienstlicher Konflikte darum gegangen, seinem Chef eine Lehre zu erteilen. Der Haupttäter hatte betont, dass der Tänzer von dem Plan eines Anschlags mit Schwefelsäure in der Nacht zum 17. Januar selbst nichts gewusst habe.

Dmitritschenko war davon ausgegangen, wie er ausgesagt hatte, dass Filin „nur eine verpasst bekommen sollte, um ihm Angst zu machen“. Der Streit zwischen dem Tänzer und seinem Chef am größten Staatstheater des Landes drehte sich der Beweisaufnahme zufolge auch um den Kampf um Bühnenrollen. Am Bolschoi bestimmt Filin, wer aus der mit 220 Tänzern größten Balletttruppe der Welt in welchem Stück tanzt. Der Konkurrenzkampf auch um Gastspiele im Ausland ist groß.

20 Operationen hinter sich

Als Beweise dienten dem Gericht auch telefonische Kontakte zwischen den Beschuldigten sowie ein Geständnis des Haupttäters. Für den Auftrag hatte Dmitritschenko laut Urteil 50000 Rubel gezahlt (rund 1100 Euro). Das Gericht blieb in seinem Fall und im Fall des Komplizen, der den Täter gefahren hatte, unter dem beantragten Strafmaß. Die mögliche Höchststrafe hätte bei zwölf Jahren gelegen.

Außerdem sprach Maksimowa Filin 3,5 Millionen Rubel Schmerzensgeld und Schadenersatz zu. Der Ballettchef hat an der Augenklinik in Aachen bereits mehr als 20 Operationen hinter sich, einige stehen ihm noch bevor. Trotz seiner Sehbehinderung hatte Sergej Filin, der inzwischen einen Leibwächter hat, stets betont, am Bolschoi bleiben zu wollen. Sein Vertrag läuft noch bis März 2016. (dpa)