Berlin - Vielleicht ist die Handlung von „Così fan tutte“ ja wirklich zu unwahrscheinlich, als dass man sie in hellem Lichte vorführen könnte: Dass hier zwei Männer ihre Bräute ins Messer laufen lassen, sich verkleiden, um als Männer in neuer Gestalt die Frauen neu zu verführen.

Alles nur, um zu beweisen, dass es mit der Treue der Angelobten nicht so weit her ist. Abgesehen davon, dass hier nicht ganz gendergerecht einzig die Frau als treuloses Wesen vorgeführt werden soll: Wie bitte soll der ganze Versuch funktionieren? Man kennt sich doch, und mindestens die Stimme wird wohl den Wohlbekannten verraten. Und dass am Ende dann – wenn die Treulosigkeit bewiesen ist – doch wieder Hochzeit mit den jeweils Richtigen gefeiert wird, wenn auch nicht allzu überschwänglich: seltsam.

Man kann darüber hinwegsehen, wenn Wolfgang Amadeus Mozarts Dramma giocoso tatsächlich als hintergründige Slapstick-Komödie aufgeführt wird, als die sie vom Librettisten Lorenzo da Ponte wohl auch gedacht ist. Die psychologischen Vorgänge zwischen den Figuren sind ja so fein und reich, das Tempo, in dem sie sich entwickeln, rasend; Mozarts Musik wiederum zeichnet kunstvoll die eigenartigen Zwischenzustände nach, die die Handlung bestimmen. 

Federleicht und zügig

Ein geniales Stück für eine Kammerbühne, wo der Zuschauer nah am Geschehen sitzt, wo er mitbekommen kann, wie sich das Psychologische in Gestik und Mimik der Darsteller ausdrückt. Was aber tun auf einer Riesenbühne wie der Deutschen Oper, wo das Stück am Sonntagabend zum Saisonbeginn Premiere hatte? Der Regisseur Robert Borgmann entscheidet sich, „Così“ ins dauerhafte Dämmerlicht zu setzen, so dämmerig, dass die Bühne zum schwarzen Loch wird, in dem schließlich auch die Musik verschluckt zu werden droht.

Donald Runnicles und das Orchester der Deutschen Oper setzen unmittelbar dort an, wo sie bei Mozarts „Entführung“, der letzten Premiere der vergangenen Saison, aufgehört hatten: federleicht ist ihr Mozart-Ton, zügig und mit eleganter Spannkraft wird musiziert. Bei „Così“ ist dieser Ton nun noch einmal wispernder geworden. Das korrespondiert einerseits gut mit Borgmanns Einfall, die Oper als schummriges Nachtstück zu präsentieren, führt andererseits mit fortschreitendem Abend aber zu unguter Schattenhaftigkeit. Zu fein jedenfalls ist dieses Orchesterwispern, um der Sogkraft des schwarzen Loches auf der Bühne widerstehen zu können.