Der Luftkurort Bachmaro, nahe Tiflis in Georgien. Titel des Films von Salome Jashi.
Foto: Bakhmaro

BerlinDen Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gibt es bereits seit 1925. Das seit 1963 bestehende, vom DAAD getragene Berliner Künstlerprogramm gehört zu den weltweit begehrtesten Stipendien. Ganze Kladden ließen sich mit prominenten Namen füllen, darunter befinden sich zahlreiche Nobelpreisträger (u.a. Peter Handke, Herta Müller, Imre Kertész oder Olga Tokarczuk). Zunächst kamen nur Kreative aus den Bereichen Musik, Bildende Kunst und Literatur in den Genuss dieses Arbeitsaufenthaltes, ab 1974 gehören auch Filmschaffende zu den Stipendiaten

Es ist eine gute Tradition des Arsenals, deren Arbeiten auf der Leinwand vorzustellen. Neben den eigenen Filmen können die Gäste in einer Carte blanche auch Werke präsentieren, die ihnen besonders nahestehen. Mit der 1981 geborenen Regisseurin Salomé Jashi ist nun eine Filmkünstlerin aus Georgien zu Gast in Berlin, und damit auch im Arsenal. Ihr Dokumentarfilm „Bakhmaro“ heißt so wie die Kleinstadt, in der er vor neun Jahren gedreht wurde. Der Ort liegt am Ende einer Gebirgsstraße, rund 350 Kilometer von der Hauptstadt Tiflis entfernt.

Hier, in der allertiefsten Provinz fand die Filmemacherin ein etwas heruntergekommenes, dreistöckiges Gebäude, und darin einen Mikrokosmos, dessen Faszination sie mit ihrer präzise beobachtenden Kamera für uns konserviert hat. Es gibt einen kleinen Lebensmittelladen, einen etwas größeren Asia-Shop sowie ein Wahlkampfbüro der konservativen Partei. Herzstück des Hauses bildet ein Restaurant mit sehr grünen und roten Wandpaneelen aus Plastik. Doch dieses Herz schlägt schon lange nicht mehr.

Auf einer Betriebsversammlung wird bilanziert, dass sich während einer ganzen Woche kein einziger Gast eingefunden hat. Und dies, obwohl alle Tische immer festlich gedeckt sind und einladende Musik aus den Lautsprechern dudelt. Die Frage nach dem Warum der Krise bleibt unbeantwortet – im Restaurant ebenso wie im Film.

Salomé Jashi entwirft eine teils anrührende, teils groteske Parabel über den gesellschaftlichen Stillstand als postsowjetisches Phänomen im beginnenden 21. Jahrhundert. Auch der von ihr gewählte Referenzfilm spürt diesem Blues nach. Beide Arbeiten erweisen sich als subtile dokumentarische Komödien voller Empathie für die in ihnen porträtierten Menschen.

Zeitlich etwas früher entstanden, geografisch aber – zumindest gefühlt – an einem noch isolierteren Ort gedreht, zeigt Sergej Dworzewoj in „Chlebny Den“ (Der Tag des Brotes) die winterlichen Überlebenskämpfe in einem russischen Dorf. Außer ein paar Ziegen und Hunden gibt es hier nur noch hochbetagte Bewohner, die das soziale Leben am Laufen halten. Da der wöchentliche Güterzug mit der Brotlieferung die Nebenstrecke zum Dorf nicht mehr anfährt, holen ein paar greise Frauen und Männer den für sie bestimmten Waggon an einer Weiche ab und schieben in eigenhändig durch den meterhohen Schnee zum Haltepunkt.

Das Berliner Künstlerprogramm des DAAD präsentiert Salomé Jashi, Arsenal, 6. August um 19.30 Uhr: „Bakhmaro“ und um 21.30 Uhr: „Chlebny Den“

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