Wer Mittelalter, Priester und Mord zusammenbringt, evoziert unwillkürlich Umberto Ecos Millionenseller „Der Name der Rose“ von 1980. Die englische Schriftstellerin Samantha Harvey wagt sich mit ihrem vierten, im Jahr 1491, kurz vor der Reformation angesiedelten historischen Kriminalroman „Westwind“ tatsächlich auf dieses Feld und findet problemlos ihren eigenen Platz. Der reichste Mann des kleinen Dorfes Oakham im Süden Englands stirbt im reißenden Fluss und der junge Priester John Reve fragt sich, ob Neid und Missgunst zu Mord führen konnten.

Davon profitieren könnten viele, auch in den besser gestellten Dörfern der Umgegend, wo man mit Wolle und importiertem Zucker Geld verdient, während Oakham darbt. Reve nimmt die Beichten ab und zieht seine Schlüsse. Mit einem sich langsam aufdröselnden, über vier Tage rückwärts erzählten Plot entwickelt Samantha Harvey das schillernde Bild einer Übergangsepoche, wo Wissen und Vernunft sehr behutsam Einzug halten und neben der immer noch ungebrochenen Dominanz von Glaube und Vorsehung bald eine eigene Macht bilden werden. Für Schmutz, Dreck und Armut entschädigt Harveys schöne und reichhaltige Sprache.

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