Der Sammler Thomas Olbricht vor einem Gerhard-Richter-Gemälde.
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BerlinWas ist bloß los mit der doch unlängst noch angeblich boomenden Kunststadt Berlin? Deren einst rare, sehr umworbene, schließlich hergezogene Sammler und Großgaleristen wenden sich seit einiger Zeit, einer nach dem anderen, wieder ab und verlassen die Stadt. 

Am Donnerstagabend verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Thomas Olbricht, „me Collectors Room“-Gründer und Besitzer einer „Wunderkammer“ mit Kuriositäten der Weltkultur, geht weg aus Berlin, zurück nach Essen, wo seine Familie lebt. Kommt jetzt gar die Abwanderungswelle?

Schon seit den Neunzigern angesiedelte Sammler wie Erika Hoffmann und Egidio Marzona gehen, enttäuscht von Berlins Gleichgültigkeit ihren Schätzen der Moderne gegenüber, nach Dresden, wo man sie mit offenen Armen und attraktiven Räumlichkeiten empfängt. Sammler Flick entschied sich vor wenigen Wochen, ziemlich verbittert, für Züricher Museen, weil er für seine handverlesenen Werke der internationalen Gegenwartskunst in den Rieckhallen am Hamburger Bahnhof keine Zukunft sieht. Diese Hallen gehören einem Investor, der sie eiskalt abreißen lässt. Er braucht den Baugrund für Eigentumswohnungen. Sammler Haubrok darf in seiner Lichtenberger „Fahrbereitschaft“ nach wie vor nicht ausstellen, denkt ebenfalls ans Weggehen.

Derartige Ursachen treffen bei Olbricht wohl nicht zu, er residiert schließlich im eigenen Haus, mit einem großen Team, er hat zudem mit dem schwierigen Berliner Kunstmarkt nichts zu tun. Gerade noch hatte der  kunstpassionierte Mediziner und Hormonforscher mit einer fulminanten Schau von Werken berühmter Maler, wie etwa Gerhard Richter, das zehnjährige Bestehen seines museumsgleichen Hauses gefeiert.

Das moderne Gebäude in der Auguststraße, mit Restaurant, Kabinetten, Ausstellungshalle zählt als Nachbar wichtiger Galerien und des KW-Institutes zu den Hotspots der Berliner Kunstszene. Überdies engagierte Olbricht sich mit einem kulturellen Bildungsprogramm für Kinder, gerade aus Migrantenfamilien.

Die Gründe für die überraschende Entscheidung des 72-Jährigen sind bislang rätselhaft, sie lassen derzeit nur Raum für Spekulationen. Für ein Gespräch war der Sammler bisher nicht zu erreichen. Über eine dürre PR-Meldung ließ er lediglich mitteilen, er werde seine „bisherige Vermittlungsarbeit in der kulturellen Bildung“ nach Essen verlegen. In seine Räume in der Auguststraße werde die Sammlung des Japan-Kenners Peter Janssen einziehen. Ein Samurai-Museum soll entstehen.