Kunstsammler Axel Haubrok.
Foto: Berliner Zeitung / Markus Wächter

BerlinSammlerdämmerung. Wie fallende Dominosteine ziehen Kunst-Mäzene, die nach ihrem Zuzug nach Berlin groß gefeiert wurden, enttäuscht bis verbittert wieder ab: Hoffmann, Marzona, Flick, Olbricht, Stoschek. Auch das Sammlerpaar Haubrok ist am Scheidepunkt angelangt. 2008 sind sie aus Düsseldorf nach Berlin gezogen, samt ihren ein Museum füllenden Werkblöcken deutscher und internationaler Konzept-Kunst der Gegenwart. Das Besondere an ihrer Sammlung sind schwierig zu präsentierende Arbeiten von Biennale-Venedig-Künstlern, wie die sperrigen Interventionen in deutsche NS-Geschichte eines Bildhauers wie Gregor Schneider (Haus Ur) oder die immateriellen, poetischen und hoch politischen Performances von Tino Sehgal.  

2013 kauften die Haubroks im Stadtbezirk Lichtenberg das verödete Areal der einstigen „Fahrbereitschaft“ der DDR-Regierung, entwickelten es mit hohen Kosten zu einem sich beispielhaft ergänzenden Werkstatt-Standort für Künstler und Gewerbetreibende, vor allem Handwerker. Ein paarmal im Jahr gab es am östlichen Stadtrand, fernab der Museen und Galerien, inspirierende Ausstellungen ihrer Sammlung und der Arbeiten der auf dem Hof tätigen Künstler. 2018 aber belegte die damalige SPD-Stadträtin Birgit Monteiro das Sammlerpaar mit Ausstellungsverbot bei Strafe einer halben Million Euro. Das sei auf einem Gewerbeareal, auch wenn es Privateigentum ist, so der Verbotsgrund, nicht erlaubt.

Tatsächlich aber sieht das Gewerbegesetz Ausnahmen vor. Keine Solidaritätsaktion der Kunstszene, kein Lichtenberger Runder Tisch, keine Sympathiebekundung des Kultursenators Klaus Lederer kann das bis jetzt ändern. Auch Monteiros Amtsnachfolger und Parteigenosse Kevin Hönicke unternimmt bislang nichts, so sehr die Kulturpolitik, auch die des Stadtbezirkes, drängt, Ausstellungen zuzulassen. Die Haubroks seien zwar überzeugte Berliner, aber sie sagen auch, sie hätten sich abgekämpft, ihre Energien seien erschöpft, das Kunstleben der Stadt weiter mit ihren Kräften zu bereichern.

Und inzwischen wiegt ihr Berlin-Frust doppelt. Denn vor zehn Jahren überließen sie den Staatlichen Museen mehrere Werkblöcke als Dauerleihgabe. Die Preußenstiftung feierte das damals mit Aplomb. Im Leihvertrag steht allerdings schwarz auf weiß, dass jede der 13 Arbeiten im Laufe von zehn Jahren einmal gezeigt werden muss. Und diese Vereinbarung ist nicht eingehalten worden.

Zudem ist im Außenlager jetzt auch noch eine große Eisen-Skulptur des New Yorkers Tom Burr wegen falscher Lagerung völlig verrottet. So viel Geringschätzung ist nun wirklich nicht bloß ein Fall für die Versicherung. Bleibt die Frage: Wie geht Berlin mit seinen Sammlern um? Ist es wirklich so leicht zu verschmerzen, wenn sie gehen?