Julia Stoschek will nach vier Jahren die Stadt wieder verlassen. 
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BerlinEs war im Mai 2016 zum Gallery Weekend, bei der rauschenden Eröffnung ihrer Dependance im ehemaligen Tschechischen Kulturzentrum: Zum Entzücken der Berliner Kulturpolitik erklärte Julia Stoschek, sie sei gekommen, um zu bleiben. Die Zeitschrift Weltkunst schwärmte von der Videokunst-Mäzenin als einer „neuen Peggy Guggenheim“. Die 1975 in Coburg geborene Sammlerin gehört zur Familie des Autozulieferers Brose und ist im Unternehmen Gesellschafterin. In einem Düsseldorfer Industriebau eröffnete sie 2007 ihr erstes Ausstellungshaus, mit einer hochkarätigen Kollektion der Medienkunst von deren Pionierzeiten bis heute.

Die vermeintlich boomende Kunststadt Berlin war auch für die umschwärmte Sammlerin ein Versprechen, ihr Wirken vom Rheinland hierher auszudehnen. Sie betonte, „in Echtzeit“ am Kunstgeschehen teilnehmen zu wollen, also „gestalten, vermitteln, nicht horten und makeln“. Sie wolle versuchen, mit ihrer Sammlung „die gesellschaftliche Entwicklung meiner Generation zu reflektieren“. Stoschek genoss – stets in diskreter, vollendet eleganter Manier – den Run auf ihren glamourösen Kunst-Magneten. Sie wurde mit Superlativen überschüttet. In der Tat: Was in der Welt Rang und Namen hat in dieser Disziplin, war hier zu sehen, von Avantgardisten wie Nam June Paik und Bruce Nauman über Stan Douglas bis Ólafur Elíasson und Cyprien Gaillard. Zu den Vernissagen lief Prominenz aus Film und Pop-Szene auf. Die Schlangen, mit deutlich jungem Publikum vorm Eingang des cool-kantigen DDR-Baus in der Leipziger Straße, sprachen für sich.

Am Sonntag, man hatte kaum die Nachrichten vom Wegzug des Sammlers Flick aus den Rieckhallen am Hamburger Bahnhof sowie des Sammlers Thomas Olbricht aus dem „me Collectors Room“ in der Auguststraße konsterniert zur Kenntnis genommen, gab Stoschek bekannt, auch sie wolle Berlin verlassen, sich 2022 nach Düsseldorf zurückziehen.

Nach nur vier Jahren also sieht sie für ihre museumswürdige Ausstellungsarbeit in der Hauptstadt keine Zukunft mehr? Ihre Berlin-Enttäuschung muss gravierend sein. Sie beklagt fehlende Unterstützung von Bund und Stadt für ihr Engagement. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verlange eine unverhältnismäßige Mieterhöhung, da das Gebäude von außen saniert werde. Julia Stoschek hatte in Umbau und Betrieb des Beton-Glas-Quaders Millionen Euro investiert, um ihn nutzbar zu machen. Später, so heißt es, habe sie auch ein Kaufangebot unterbreitet. Andere Pläne, auch die Ausschau nach einem neuen Domizil, scheint sie nun aufgegeben zu haben.