Berlin - 60.000 Euro können ziemlich wenig Geld sein. Zumindest wenn sie den gesamten Ankaufsetat einer führenden Kunstinstitution mit sechs Museen ausmachen. Die Nationalgalerie Berlin hat das Glück, auf einen verlässlichen Förderkreis rechnen zu können. Die „Freunde der Nationalgalerie“ können über die dazugehörige Stiftung jährlich bis zu 300.000 Euro für Ankäufe bereit stellen. Die Ausstellung „Under Construction“ zeigt im Hamburger Bahnhof von Donnerstag an bis zum 15. Januar Neuerwerbungen für die Nationalgalerie.

Die Nationalgalerie - 1861 ausdrücklich als Museum für zeitgenössische Kunst gegründet - sammelte seitdem Kunstwerke der jeweiligen Epochen. Die Stiftung konzentriert sich nach Angaben von Gabriele Quandt, Vorstand der Freunde der Nationalgalerie, darauf, „zeitgenössische Kunst im Moment des Entstehens zu kaufen“. Grundlage dafür ist ein Stiftungsvermögen von sechs Millionen Euro aus Überschüssen der erfolgreichen Ausstellung „MoMa in Berlin“ 2004. Seitdem konnte die Stiftung 105 Arbeiten erwerben, hinzu kamen Schenkungen. Alle Werke sind nun Teil der Sammlung der Nationalgalerie.

Mit der Ausstellung will Till Fellrath, Mitdirektor des Hamburger Bahnhofs, „die Sammlung im Herzen verankern“. Gezeigt werden fünfzehn Neuerwerbungen, die etwa zur Hälfte von in Berlin arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern stammen. Die Arbeiten umfassen Gemälde, Installationen, Skulpturen, Videos und Arbeiten auf Papier. Zu sehen sind Werke von Nairy Baghramian, Eduardo Basualdo, Thea Djordjadze, Ceal Floyer, Sandra Gamarra Heshiki, Melvin Moti, Manfred Pernice, Martin Städeli, Mariela Scafati, Dierk Schmidt, Daniel Steegmann Mangrané, Bartolina Xixa und Julio González.

Damit haben die Kuratorinnen Alice Koegel und Gabriele Knapstein drei Bereiche des Museums gestaltet. Auffällig ist vor allem die raumgreifende Arbeit von Mangrané. Mit Vorhängen aus Aluminiumketten schafft er Abgrenzungen, lässt Zwischenräume und Durchgänge. Auslassungen erinnern an geografische Umrisse, die neue Grenzen erzeugen.