Sandra Hüller
Foto: dpa/Chritsoph Soeder

BerlinWieso dürfen wir einander eigentlich in die Gesichter sehen? Was gibt es Grenzverletztenderes und Zudringlicheres? Wo tragen wir unsere Seele offener? Wo sind wir ausgelieferter? Oder sind das doch alles nur verschlossene Masken, die einem im Alltag entgegenstarren? 

Einer Schauspielerin wie Sandra Hüller ins Gesicht zu sehen ist ein Abenteuer. Es geht nicht um Schönheit im Sinn von Ebenmaß, Licht und goldenem Schnitt, nicht um die Schönheit von Souveränität. Sondern um die brutale Schönheit des Lebens.

Was passiert in diesem Gesicht?

Wenn Hüller spielt, lebt ihre Mimik, weil ihr Geist lebt. Sie zeugt von den Zumutungen ihrer Figur und der Situation, in die die Geschichte sie bringt. Und nie ahnt man, in welcher Weise sich die Spannung lösen wird. Beißt sie zu? Bricht sie in Tränen aus? Zwinkert sie eine Katastrophe weg?

Die Berliner Festspiele und die Stiftung Preußische Seehandlung teilen mit, dass Sandra Hüller mit dem Theaterpreis Berlin ausgezeichnet wird. Das ist das ganz große Kaliber: 20000 Euro Preisgeld, eine Gala beim Theatertreffen und die Trophäe aus der Hand des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Es ist natürlich nicht die erste Ehrung für die 41-Jährige, die vor allem für ihre Kinoerfolge „Requiem“, „Über uns das All“ und „Toni Erdmann“ ausgezeichnet wurde.

Für ihren Bochumer „Hamlet“ (Regie: Johan Simons) bekam sie zuletzt den Gertrud-Eysoldt-Ring. Diese Inszenierung wird mit Sicherheit zum Theatertreffen eingeladen. Bis dann!